Die S-Bahn - bequem und umweltfreundlich

Der Verband Region Stuttgart ist laut Gesetz als Aufgabenträger für den "regional bedeutsamen Schienennahverkehr mit Ziel und Quelle in der Region" zuständig. Er „bestellt“ den S-Bahn-Verkehr bei der DB Regio AG, gibt vor in welchem Takt die S-Bahn rollt und kümmert sich um die Finanzierung des S-Bahn-Verkehrs, aber auch der Nebenbahnen. Dazu zählen die Teckbahn (Kirchheim u. T. – Oberlenningen) und die Schusterbahn (Untertürkheim – Kornwestheim).

Neues Design für die S-Bahn-Züge

Statt im klassischen Verkehrsrot werden die S-Bahnen künftig in hellem Lichtgrau mit prägnanten Farbelementen für Türen und Sonderabteile durch die Region rollen. Die ersten Züge im neuen Design sollen ab Ende 2021 auf die Schienen kommen. Der neue Anstrich wird bei den heute eingesetzten Fahrzeugen im Rahmen der turnusmäßigen Neulackierungen umgesetzt, die die Züge aus Witterungsgründen rund alle 15 Jahre benötigen. Die bereits im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen 58 zusätzlichen S-Bahnen werden bereits überwiegend im neuen Design geliefert. Mit der neuen Außenlackierung für die S-Bahnen möchten der Verband Region Stuttgart und die S-Bahn Stuttgart eine bessere Fahrgast-Lenkung erreichen. Auch für das Fahrzeuginnere sind Neuerungen vorgesehen, die sich am Bedarf der Fahrgäste orientieren.

Klare Farbflächen

Künftig sind die kompletten Bereiche der Sonderabteile in Blau beziehungsweise Gelb für die 1. Klasse eingefärbt und heben sich gut erkennbar für S-Bahn-Fahrgäste auch auf vollen Bahnsteigen ab. Hinzu kommen schwarzgraue Türen, die es erleichtern, am Bahnsteig direkt an der richtigen Stelle zu stehen. Die klaren farblichen Markierungen sollen den Fahrgästen die Orientierung beim Einsteigen erleichtern, und Haltezeiten reduzieren. Die Region als Auftraggeber und die Deutsche Bahn nehmen sich in ihrer Darstellung bewusst zurück und richten die S-Bahnen komplett auf die Bedürfnisse der Fahrgäste aus.

Neue Innenraumaufteilung

Erneuerungen wird es auch im Inneren der S-Bahn geben. Vor allem im Bereich der Mehrzweckabteile sollen Umbaumaßnahmen und Erweiterungen stattfinden. Statt nur an den jeweiligen Fahrzeugenden wird es künftig in der Mitte zwei zusätzliche Mehrzweckabteile geben. Diese werden für Fahrräder optimiert und bestehen komplett aus Klappsitzen sowie bequemen Elementen zum Anlehnen. Zudem können Fahrgäste mit Fahrrädern die Stellflächen von zwei Einstiegstüren aus erreichen, was einen weiteren Vorteil gegenüber den bisherigen Mehrzweckabteilen bedeutet. Auch bei den Mehrzweckabteilen vorne und hinten im Fahrzeug ermöglicht die veränderte Sitzplatzgestaltung für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen einen erleichterten Zugang.

Mehr Überblick und neue Technik

Die neuen Monitore in den Deckengondeln sorgen für eine verbesserte Reisenden-Information. Insgesamt werden pro Fahrzeug acht Deckengondeln mit je zwei Monitoren installiert, hinzu kommen vier Einzel-Monitore. So sind in Kurzzügen insgesamt 20 Monitore vorhanden. Ebenfalls eingeführt wird ein automatisches Fahrgastzählsystem, sodass künftig unter anderem eine gezielte Prognose zur Auslastung der Züge möglich wird. Eine weitere wichtige Neuerung sind Steckdosen, die in verschiedenen Bereichen aller Züge zu finden sein werden und für mehr Komfort sowie die notwendige Energie beim Arbeiten und in der Freizeit sorgen.

Kosten und Umsetzung

Alle vom Verkehrsausschuss der Regionalversammlung beschlossenen Redesign-Elemente können mit dem Vertragsabschluss zwischen S-Bahn Stuttgart und Bombardier im Rahmen des Budgets von 171,8 Millionen Euro umgesetzt werden. Die Bereitstellung des Budgets ist ein verbindlicher Teil des Verkehrsvertrags, dessen Verlängerung um vier Jahre bis 2032 im Januar 2019 beschlossen wurde. Am Anfang der Umsetzung des Redesigns stehen die technischen Konstruktionen, die noch in 2020 begonnen werden. Der Prozess der Erneuerung muss im laufenden Betrieb stattfinden und wird bis zum Umbau der kompletten Flotte entsprechend mehrere Jahre andauern.

Mehr S-Bahn

Bereits 2014 hat der Verkehrsausschuss den Fahrplan für eine sukzessive Verbesserung des S-Bahn-Angebots beschlossen. Die aktuellen Punkte daraus sind:

  • Seit  9. Juni 2019 fährt die S 60 zwischen Renningen und Stuttgart auch samstags von etwa 15 Uhr bis 18 Uhr im Viertelstundentakt. Dafür wurden weitere sechs Verbindungen bis zur Stuttgarter Schwabstraße verlängert, die zuvor nur zwischen Böblingen und Renningen pendelten.
     
  • Seit Mitte Dezember 2019 fährt die S-Bahn montags bis freitags auch zwischen 12 Uhr und 15 Uhr im 15-Minuten-Takt. Damit wurde der dichte Takt am frühen Nachmittag auf all jenen Strecken eingeführt, auf denen die S-Bahn viertelstündlich bereits von etwa 6 bis 10 Uhr und von 15 bis 20.30 Uhr verkehrt, und damit Stufe III auf dem Weg zum durchgängigen Viertelstundentakt umgesetzt.
     
  • Mitte Dezember 2020 wird die letzte Lücke geschlossen: Ab dem Fahrplanwechsel gilt der 15-Minutentakt durchgängig

 

15-Minuten-Takt im Außenbereich, Taktverbesserung S60 und S1, S-Bahn nach Nürtingen

Das S-Bahn Angebot kontinuierlich verbessern und ausbauen ist das Ziel des Verbands Region Stuttgart. Die Ausweitung des 15-Minuten-Takts an Werktagen zwischen 6 und 20 Uhr hat die Regionalversammlung bereits beschlossen. Sie wird sukzessive bis Ende 2020 umgesetzt. Wie sich eine solche Taktverdichtung auch dort umsetzen lässt, wo heute noch kein viertelstündliches Angebot existiert, wurde in Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersucht. Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie: 

S 60 Böblingen – Renningen
Zur Einführung eines 15-Minuten-Takts auf der S60 Böblingen – Renningen bedarf es einiger infrastruktureller Anpassungen. In Bezug auf die verkehrlichen Wirkungen zeigt sich aber, dass der 15-Minuten-Takt auf der S60 gute Effekte erzielt. Diese sind bei einer Betrachtung von Böblingen nach Renningen doppelt so hoch wie bei einer Betrachtung von Sindelfingen nach Renningen. Täglich könnten durch die Taktverbesserung bis zu 7.800 zusätzliche Fahrgäste gewonnen werden. Aufgrund dieser vielversprechenden Zahlen soll die Planung weiter vertieft werden. Im Rahmen der Untersuchung wurde auch die Idee entwickelt, ein weiteres Gleis über Böblingen hinaus bis nach Hulb oder Ehningen zu bauen.

S1 Plochingen – Kirchheim/Teck
Die Ausweitung des 15-Minuten-Takts nach Kirchheim lässt sich nur mit aufwändigen Infrastrukturmaßnahmen sinnvoll umsetzen und brächte massive Beeinträchtigungen für den Individualverkehr in Wendlingen mit sich. Daher empfiehlt das Gutachten die Weiterführung der heute in Plochingen endenden S-Bahn-Linie nach Nürtingen. Dadurch entsteht ein neues S-Bahn-Angebot im Halbstundentakt auf diesem Abschnitt. Unter Berücksichtigung der mit S21 geplanten Regionalverkehre von Nürtingen in Richtung Flughafen ergibt sich durch einen kurzen Umstieg in Nürtingen ein Ringschluss ins Neckartal. Auch für Oberboihingen ergibt sich durch einen S-Bahn-Halt nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 eine deutliche Verbesserung der Anbindung an den öffentlichen Schienenpersonennahverkehr. Parallel dazu wird erwogen, den Fahrplan der Expressbuslinie Kirchheim/T – Flughafen (X10) so anzupassen, dass dieser quasi ein viertelstündliches Angebot zwischen Wendlingen und Kirchheim/T sicherstellt.  So könnte auch in diesem Abschnitt ein attraktives viertelstündliches Angebot entstehen, weshalb der Verkehrsausschuss diese Planung konkretisieren möchte.

S4 Marbach – Backnang
Die Ausweitung des 15-Minuten-Takts von Marbach nach Backnang ist aufgrund der anspruchsvollen Topografie und der langen nur eingleisigen Strecke sehr aufwendig. Das Gutachten hat drei unterschiedliche Varianten untersucht, die alle Infrastrukturinvestitionen im dreistelligen Millionenbereich erfordern. Es werden zwar teilweise interessante verkehrliche Wirkungen erzielt, diese stehen aber in keinem Verhältnis zu den erforderlichen Investitionen.

Schusterbahn
Bei der Ausweitung des Angebots auf der Schusterbahn wurden zwölf Varianten betrachtet. Unter anderem die Ausweitung des Angebots auf den ganzen Tag, die Ausdehnung des halbstündlichen Angebots nach Inbetriebnahme von Suttgart 21 in Richtung Esslingen und Plochingen sowie eine mögliche Ausweitung in Richtung Bietigheim. Insgesamt werden erhebliche Infrastrukturaufwendungen, insbesondere für die Weiterführung in Richtung Ludwigsburg erforderlich. Die besten verkehrlichen Wirkungen werden allerdings nicht auf der Schusterbahn selbst erzielt, sondern auf dem Abschnitt der S1 zwischen Plochingen und Untertürkheim. Die Schusterbahn profitiert vor allem auch durch Umverteilungseffekten der Fahrgäste.

S2 Vaihingen und Flughafen
In einer früheren Untersuchung wurde die Einführung des 15-Minuten-Takts der S2 zwischen Vaihingen und Flughafen mit möglicher Weiterführung nach Filderstadt/Neuhausen betrachtet. Erste Abstimmungen hierzu laufen. Im Rahmen des Planänderungsverfahrens für die S-Bahn Verlängerung nach Neuhausen werden diese Mehrverkehre bereits vorausschauend mitbetrachtet.

Zum PDF-Download: Machbarkeitsstudie 15-Minuten-Takt in den Außenbereichen, Schusterbahn, Kapazitätssteigerungen
Stefan Tritschler (VWI), Matthias Laug (DB E&C)

 

Stammstreckensperrungen für Instandhaltung und Erneuerung

In den Jahren 2021, 2022 und 2023 muss die Stammstrecke voraussichtlich zwischen Hauptbahnhof (tief) und Stuttgart-Vaihingen für jeweils sechs Wochen gesperrt werden. In dieser Zeit werden sicherheitstechnische Anlagen sowie die technisch-betriebliche Ausstattung nachgerüstet beziehungsweise erneuert, Gleise und Weichen ausgetauscht und alle Haltestellen renoviert. Die S-Bahnen aus Richtung Feuerbach beziehungsweise Bad Cannstatt werden ersatzweise am Hauptbahnhof oben verkehren. Der Bahnhof Vaihingen selbst kann für die Zeit der Stammstreckensperrung in Betrieb bleiben. Der Verkehr aus dem Süden könnte daher ohne Zwischenhalte über die sogenannte Panoramabahn von Vaihingen direkt zum Hauptbahnhof fahren. Die Aufnahmekapazität des Hauptbahnhofs ist für diese weiteren Verkehre begrenzt, da sie vom Fern- und Regionalverkehr bereits stark genutzt werden. Daher ist mit Einschränkungen bei allen Verkehren zu rechnen.

Derzeit finden noch Abstimmungen über ein verkehrlich tragbares Ersatzkonzept statt. Der Verband Region Stuttgart wird sich dafür einsetzen, dass sich die enorme Fahrgastnachfrage bei der S-Bahn auch im Ersatzkonzept widerspiegelt. Im regionalen Verkehrsausschuss wurde die Sperrung, ihre Konsequenzen und die Anforderungen an ein Ersatzkonzept diskutiert. Begrüßt wurde mehrheitlich, dass die über 40 Jahre alte, zwischenzeitlich störanfällige Infrastruktur umfassend saniert werde. Ebenfalls als gut befunden wurde der Zeitpunkt in den Sommerferien. Die Bahn müsse darauf achten, dass die Einschränkungen, mit besonderem Augenmerk auf ausreichende Fahrten mit Halt am Stuttgarter Hauptbahnhof, so gering wie möglich ausfallen. Dabei sei die Einbeziehung der Kapazitäten der Stuttgarter Straßenbahnen und eine weitreichende Planung mit Bus-Ersatzverkehren zentral.

Präsentation Baumaßnahmen auf der S-Bahn Stammstercke als PDF Download
Deutsche Bahn AG, Verlkehrsausschuss 22.01.2020