Neckarsteg Benningen-Marbach

Mobilitätsdaten - Wohin? Zu welchem Zweck? Mit welchem Verkehrsmittel?

Wer plant, braucht Daten. Wer die Verkehrsentwicklung abschätzen möchte, braucht Mobilitätsdaten. Die Ergebnisse einer Haushaltsbefragung zum Verkehrsverhalten in der Region Stuttgart zeigen: Im Vergleich zu 1995 waren die Regionsbewohner etwas seltener mit dem Auto unterwegs, dafür häufiger zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bussen und Bahnen. Gleichwohl bleibt das Auto Hauptfortbewegungsmittel. 13.750 Personen gaben 2009/2010 detailliert Auskunft über ihr Mobilitätsverhalten. Wohin gehen sie? Zu welchem Zweck? Mit welchem Verkehrsmittel? An welches Ziel? 

Die Ergebnisse füllen über 100 Seiten ("Mobilität und Verkehr in der Region Stuttgart"). Durchschnittlich setzt jeder Regionsbewohner dreimal pro Tag seine Füße vor die Haustür. Hauptgrund dafür: Freizeitaktivitäten. Insgesamt heißt das für die Einwohner der Region Stuttgart: 7,61 Millionen Wege von A nach B pro Tag. Montags bis freitags entscheiden sich knapp 57 Prozent (60 Prozent 1995) der Regionsbewohner für das Auto. Zu Fuß sind immerhin 21,5 Prozent unterwegs (20,6 Prozent 1995). Mit Bussen und Bahnen lassen sich 14,5 Prozent (12,2 Prozent 1995) von A nach B bringen. Aufs Rad steigen 7,4 Prozent (6,8 Prozent 1995). 

Mit diesen soliden Aussagen zum Ist-Zustand der Mobilität wurde das regionale Verkehrsmodell auf den neuesten Stand gebracht. Damit wurde über Prognosen und Szenarien ermittelt, wie das Verkehrsaufkommen konkret auf Straßen, an Knotenpunkten oder einzelnen Bushaltestellen aussieht. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen-Vorschläge und Verbesserungen sind im Entwurf des Regionalverkehrsplans zusammengefasst.

Mobilität in der Region Stuttgart

Tagesverlauf der Wegezwecke

Untersuchungen - worauf der Regionalverkehrsplan fußt

Um das weite Feld der erforderlichen Grundlagen für die Fortschreibung des Regionalverkehrsplans in urbare Abschnitte zu gliedern, stand am Anfang der Arbeiten die Definition von Maßnahmenfeldern und Untersuchungsschwerpunkten

Maßnahmenfelder

- Infrastrukturvorhaben im regionalbedeutsamen Straßen- und Schienennetz. sind Kernelemente des Regionalverkehrsplans. Neu- und Ausbaumaßnahmen wurden in mehreren Szenarien und Einzelbetrachtungen eingehend untersucht. Anhand der ermittelten Wirkungen wurden die Vorhaben bewertet und in Dringlichkeitsstufen kategorisiert.

- Betriebliche Angebotsverbesserungen im Schienenverkehr . Damit kann der Öffentliche Nahverkehr auf BAsis der bestehenden Infrastruktur, also ohne neue Trassen, in der Region gestärkt werden Auch Maßnahmen in diesem Feld wurden in Szenarien und Einzeluntersuchungen geprüft, ihre Wirkungen bewertet und in die Dringlichkeitskategorien des Regionalverkehrsplans eingestuft.

Untersuchungen

- Climate Proofing. Für die Einzelvorhaben aus den Maßnahmenfeldern Infrastrukturausbau und Angebotsverbesserungen im Schienenverkehr wurde eine Abschätzung zu den Klimawirkungen vorgenommen. Die Ergebnisse in Form von Aussagen zu zusätzlichen bzw. vermiedenen CO2-Emis­sionen wurden in die Maßnahmenbewertung einbezogen und deren Begründungsqualität dadurch deutlich verbessert. Die Abschätzung der klimarelevanten Effekte konnte mit Mitteln aus dem Landesprogramm NaMoReg (Nachhaltig Mobile Region Stuttgart) finanziert werden.

- Die Studie zur Koordination von Siedlungs- und Verkehrsentwicklung wurde parallel zur Regionalverkehrsplanfortschreibung bearbeitet und damit Optimierungspotenziale für das regionalplanerische Steuerungsinstrumentarium entwickelt.

Potenzialabschätzungen. Im ÖV wurde für alle Verkehrsrelationen die ÖV-Angebotsqualität dem ÖV-Anteil gegenübergestellt. Durch diesen Vergleich wurden verkehrsaufkommensstarke Relationen mit unterdurchschnittlichen ÖV-Anteilen identifiziert, die noch größere Nachfragepotenziale für den ÖV erwarten lassen und ggf. neue Angebote rechtfertigen können.

- Engpassanalyse für den Straßenverkehr. Anhand von Daten eines Navigations-An­bieters zu den im Laufe eines Jahres realisierten Fahrzeiten und auftretenden Stauungen wurden Hinweise auf die bedeutendsten „Bottlenecks“ im regionalbedeutsamen Straßennetz erarbeitet (Netzelemente mit besonders häufig schlechter Verkehrsqualität, Fahrzeitverlusten und Stauungen). Die Informationen zu den Engpässen wurden u. a. in die Bewertungen der Maßnahmen im Straßen- und Schienenverkehr einbezogen.

- Studie zu organisatorischen, ordnungs- und preispolitischen Maßnahmen, in der beleuchtet wurde, welches Potenzial derartige Maßnahmen in der Region Stuttgart zur Beeinflussung des Verkehrsverhaltens und der Verkehrsabläufe aufweisen und welche konkreten Verbesserungen durch den Einsatz solcher Maßnahmen u. a. im Hinblick auf die Erreichbarkeiten, den Verkehrsaufwand oder die verkehrsbedingten Emissionen erwartet werden können.

-  Güterverkehrs- / Logistikkonzept (Regionalplan 2009) mit vier regionalen Schwerpunkten für Industrie und Logistik in Kornwestheim, Sachsenheim, Bondorf / Rottenburg-Ergenzingen und Kirchheim u. Teck, die die bestehenden Logistikschwerpunkte in den Häfen Stuttgart und Plochingen, in Kornwestheim sowie am Flughafen Stuttgart ergänzen sollen. Durch dieses Konzept können dringend benötigte, geeignete Flächenpotenziale für den Logistikbedarf der Region Stuttgart vorgehalten werden, es wird  um weitere Aspekte des Güterverkehrs bzw. der Logistik ergänzt.

- Überarbeitung des regionalbedeutsamen Radverkehrsnetzes als dem Regionalverkehrsplan von 2001, die auf neuere Entwicklungen im Bereich der Radverkehrsplanung abgestimmt ist (u. a. Landesradverkehrsnetz, Radnetzplanungen der Landkreise und der Landeshauptstadt Stuttgart).

- Entwicklung von Kenngrößen wie Reisezeit, der Bedienungszeitraum und Bedienungshäufigkeit für ein planerisch wünschenswertes ÖV-Angebot für die Region Stuttgart. Aufbauend auf einer Analyse der Angebotsqualitäten im MIV und ÖV und unter Berücksichtigung verschiedener Regel- und Planwerke (Richtlinien für die integrierte Netzgestaltung, VDV-Schrift Verkehrserschließung und Verkehrsangebot im ÖPNV, Nahverkehrspläne der Stadt Stuttgart und der Landkreise in der Region Stuttgart) wurden Kenngrößen ermittelt. 

- Strategische Umweltprüfung (SUP). Deren Aufgabe ist es, im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung dazu beizutragen, dass Umweltbelange bei der Ausarbeitung und beim Beschluss des Regionalverkehrsplans einbezogen und dokumentiert werden.

Sämtliche Untersuchungsschwerpunkte und Maßnahmenfelder wurden im regionalen Planungsmaßstab bearbeitet. Die Arbeiten beschränkten sich in der Regel auf den großräumigen, überregionalen und regionalen Verkehr. Ziel ist es ein abgestimmtes Konzept aufzuzeigen, wie die regionalbedeutsamen Verkehre möglichst wirkungsvoll, wirtschaftlich und umweltverträglich geführt werden können, damit sowohl die Siedlungs- und Arbeitsplatzstandorte gut erschlossen werden als auch möglichst zusammenhängende Freiräume in der hochverdichteten Region erhalten bleiben, um dort die Wohn-Umfeld-Situation für die Bevölkerung zu verbessern und die Erholungsfunktionen sichern zu können.