Auf dem Weg zur Dienstleistungsregion

Industrielles Fundament notwendig – Unternehmensgründungen als wichtiges, dynamisches Element

„Die Region Stuttgart wird immer mehr zur Dienstleistungsregion und vollzieht damit die Entwicklung anderer großer Ballungsräume nach“, so die Feststellung von Regionaldirektor Dr. Steinacher anlässlich der Veröffentlichung des sechsten Strukturberichts für die Region Stuttgart. Ein beträchtlicher Teil neuer Dienstleistungsarbeitsplätze entsteht allerdings in Unternehmen, die statistisch dem Produktionssektor zugeordnet werden – bei gleichzeitigem Abbau tatsächlicher Produktionsarbeitsplätze. So erfreulich es sei, dass offensichtlich zentrale Steuerungsaufgaben sowie Forschung und Entwicklung in den Unternehmen der Region verbleiben oder ausgebaut werden, so berechtigt sei die Frage, wie viel an Produktionsarbeitsplätzen wir als Basis brauchen, um das Know-How um Produktionsprozesse und kompletter Fertigungsketten in der Region zu halten, so Dr. Steinacher in seiner Wertung dieses Befundes.

Engpassfaktor Fachkräfte

Im derzeitigen Aufschwung zeigt sich, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften zum Engpassfaktor in manchen Unternehmen wird. Schon in den letzten Strukturberichten wurde in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die innerbetriebliche Weiterbildung, die Qualifizierung von Arbeitslosen, die Qualifizierung und längere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer sowie die Berufsreife von Schulabgängern drängende Probleme seien. Dass die Berufschancen von gering Qualifizierten immer schlechter werden, bestätigt auch dieser Strukturbericht. Vom Grundsatz her wird dieser Befund mittlerweile breit akzeptiert. Nach seinem Eindruck, so Dr. Steinacher, fehle es in Schulen und Betrieben aber noch an der praktischen Umsetzung. Anders sei es zum Beispiel nicht zu erklären, wenn nach einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Jahr 2006 nur 17 Prozent von 16.000 befragten Unternehmen in Gesundheitsförderung, Weiterbildung und Motivation älterer Mitarbeiter investierten, und selbst davon noch ein Großteil auf Altersteilzeitregelungen entfalle. Auch der Umstand, dass von 200 Millionen Euro Fördermitteln der Bundesagentur für Arbeit für die innerbetriebliche Weiterbildung Älterer und gering Qualifizierter bis Ende September 2007 nur 17,5 Millionen Euro abgerufen wurden, zeige, dass in diesem Bereich Verbesserungen notwendig seien.

Der Verband Region Stuttgart leiste seinen Beitrag im Wettbewerb der Regionen um qualifizierte Arbeitskräfte, indem er über die Regionalplanung, die Wirtschaftsförderung und den Nahverkehr das Ziel verfolge, die Region als Wohn- und Arbeitsstandort attraktiv zu erhalten. Die vor einem Jahr von der IHK durchgeführte Befragung zeige, dass für die Hälfte der Unternehmensverlagerungen private Motive ausschlaggebend waren. ÖPNV-Anbindung, Einkaufsmöglichkeiten am Ort und ortsnahe Erholungsmöglichkeiten seien in diesem Zusammenhang wichtige Entscheidungskriterien.

Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) bearbeitet derzeit ein Projekt, in dem beispielhaft für die Branchen Maschinenbau und Logistik untersucht wird, wie Unternehmen den Qualifizierungsbedarf ermitteln und in Fortbildungsprojekte umsetzen können.

Internationale Verflechtung erfordert leistungsfähige regionale Infrastruktur

Im Jahr 2006 erwirtschafteten die Industrieunternehmen nicht weniger als 58 Prozent ihres Umsatzes im Auslandsgeschäft. Im Fahrzeugbau liegt die Exportquote noch deutlich darüber. Sie stieg dort von 1999 bis 2006 von rund 62 auf rund 71 Prozent. „Diese Daten belegen, wie wichtig die Einbindung der Region Stuttgart in internationale Verkehrsnetze, wie die Magistrale für Europa, ist“, so Dr. Steinacher. Er erinnerte daran, dass der Verband Region Stuttgart Stuttgart 21 unterstützt und sich für die S-Bahn mit 100 Millionen Euro beteilige.

Ebenso wichtig für die Exportregion Stuttgart ist ein leis-tungsfähiger Logistiksektor. Logistikunternehmen sind mitt-lerweile Dienstleister, die viel mehr bieten als den Transport von Gütern. Es handelt sich – so auch das Ergebnis des Strukturberichts - um eine der am stärksten wachsenden Branchen im Dienstleistungssektor. In den Gemeinden beste-hen dennoch Vorbehalte gegen Logistikunternehmen. „Wenig Arbeitsplätze, gering qualifizierte Arbeitskräfte, viel Fläche, viel Verkehr“, diesem Pauschalurteil sieht sich die Logistikbranche ausgesetzt. Mit aus diesem Grund hat es die Branche schwer, geeignete Standorte in der Region zu finden. Der Verband Region Stuttgart hat deshalb sein Förderprogramm interkommunale Gewerbegebiete angepasst. Die Förderung erreicht nun Gemeinden, die an regionalplanerisch geeigneten Standorten Logistikgebiete ausweisen.

Eine besondere Bedeutung kommt den Schnittstellen zu, an denen Güter von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Aktuell wirbt der Verband Region Stuttgart besonders in Kornwestheim dafür, dass dort die Chancen für die Stadt Kornwestheim und die Region gesehen werden, die ein leistungsfähiger Güterverkehrsknoten mit sich bringt.

Gründungen aus Hochschulen erfolgreich gefördert Der Strukturbericht 2007 macht deutlich, dass Existenzgründungen, vor allem im Hochtechnologiebereich, ein wichtiges, dynamisches Element im regionalen Innovationsgeschehen sind. Über die Ausgründungen aus den Stuttgarter Hochschulen werden neue Technologien, Verfahren und Vermarktungsideen in den Markt eingeführt. Aus den im Strukturbericht wiedergegebenen Befragungsergebnissen von Gründern ergibt sich, dass Unternehmensgründer in der Region Stuttgart ein breites Beratungs- und Unterstützungsangebot vorfinden. Dem von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart initiierten Projekt PUSH! kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Push! unterstützt Unternehmensgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region. PUSH! hat in den Jahren 1998 bis Mitte 2007 über 450 Unternehmen in der Gründungsphase unterstützt. Über PUSH! werden Unternehmensgründer aus Hochschulen auch auf die in der Region bestehenden Kompetenznetzwerke hingewiesen. Über diese gelingt die Integration eines neu gegründeten Unternehmens in den Markt häufig leichter als im „Einzelkampf“.