Ein ÖPNV-Ticket von Heilbronn bis Tübingen?

Metropolregion konkretisiert ihr Arbeitsprogramm – Schwerpunkte: Klimaschutz und Metropolenticket

STUTTGART: Der Koordinierungsausschuss Europäische Metropolregion Stuttgart hat sich heute beim Verband Region Stuttgart zu seiner zweiten Sitzung getroffen. Unter Vorsitz von Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster konkretisierten die 36 Mitglieder ihr künftiges Arbeitsprogramm. In dem Koordinierungsausschuss arbeiten kommunale und regionale Vertreter aus den Regionen Stuttgart, Heilbronn-Franken, Neckar-Alb, Nordschwarzwald und Ostwürttemberg projektbezogen zusammen.

Einen thematischen Schwerpunkt bildet der Klimaschutz. Hier soll ein neu zu gründender „Arbeitskreis Umwelt“ Aktivitäten der Metropolregion Stuttgart ausmachen und Projekt-Vorschläge unterbreiten. Darüber hinaus besteht grundsätzliche Einigkeit, das vom Verband Region Stuttgart vorgeschlagene ÖPNV-Ticket für die Metropolregion zu prüfen. Details über Geltungsbereich, Kosten und Kooperationsmöglichkeiten sollen untersucht und in der nächsten Sitzung vorgestellt werden.

Kommunen erachten Klimaschutz als wichtig

Fragen des Klimaschutzes „stehen bei Städten, Gemeinden und Landkreisen ganz oben auf der Tagesordnung und werden in Zukunft noch wichtiger“, fasste Dr. Walter Rogg die Ergebnisse einer Umfrage zusammen. Die von ihm geleitete Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) hatte Gemeinden und Landkreise in der Metropolregion zur Bedeutung des Klimaschutzes befragt. Aus den 163 Rückmeldungen ließ sich entnehmen: „Zwei von drei Kommunen planen Energieprojekte“, sagte Dr. Rogg.

Als Impuls für die künftige Arbeit stellte Dr. Wolfgang Schuster ein 10-Punkte-Umweltprogramm vor. Es hat zum Ziel, die Metropolregion Stuttgart zu einer Vorreiterin „einer zukunftsweisenden, nachhaltigen Entwicklung beim Klimaschutz und der Energiepolitik“ zu entwickeln. Es umfasst Aspekte nachhaltiger Kommunal- und Metropolentwicklung ebenso wie Boden- und Gewässerschutz, umweltfreundliche Mobilität, die Förderung von neuen Technologien oder den Erfahrungsaustausch. Stuttgarts OB und Baubürgermeister Matthias Hahn werden den neu zu gründenden Arbeitskreis Umwelt leiten. Dieser soll erste Überlegungen in konkrete Projektvorschläge überführen und möglichst rasch ans Werk gehen, wie Ludwigsburgs OB Werner Spec anregte.

Durch die Metropolregion mit nur einem Ticket?

Es wäre wünschenswert, die Tarifhürden innerhalb der Metropolregion zu überspringen. Darüber herrschte nach längerer Diskussion Einigkeit im Metropolen-Ausschuss. Das Gremium folgte damit in den Grundzügen einem Vorschlag des Verbands Region Stuttgart, der das Thema Metropolenticket auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

Schließlich verständigte man sich darauf, dass der VVS gemeinsam mit den benachbarten Verkehrsräumen konkrete Vorschläge erarbeiten sollen. Erst dann könnten die Kosten ermittelt werden, die von den nicht im VVS zusammengeschlossenen Regionen getragen werden müssen.

Keine VVS-Mitgliedschaft

Für alle Beteiligten ist auch klar, dass die Regionen außerhalb des VVS-Gebiets, in denen eines Tages ein solches Metropolenticket gelten könnte, nicht Mitglied im VVS werden müssen. „Grundlage muss die tarifliche Integration auf Basis eines Vertrags sein“, formulierte OB Dr. Schuster im Sinne eines Vorschlags des Verbands Region Stuttgart vom April dieses Jahres. Klar ist damit: Die Nachbarregionen müssten sich nicht an den Grundkosten des VVS beteiligen.

Bleibt die Frage, in welchen Verkehrsmitteln ein solches Ticket gelten soll. Für VVS-Geschäftsführer Dr. Witgar Weber ist die Sache klar: Auf den Schienenstrecken mit vielen Fahrgästen, die in die Nachbarregionen des VVS-Gebiets führen. Ein Ticket für die gesamte Metropolregion von Heilbronn im Norden bis Reutlingen/Tübingen im Süden sowie Calw und Pforzheim im Osten bis Aalen und Göppingen im Westen mache aus Sicht von Dr. Weber keinen Sinn. Er verwies auf die Beschlusslage des VVS-Aufsichtsrats, die eine Ausdehnung des VVS-Tarifs grundsätzlich erschwere.

Während der Landrat des Rems-Murr-Kreises Johannes Fuchs dem beipflichtete, unterstützte Günter Bächle (Regionalverband Nordschwarzwald) die Vorschläge des Verbands Region Stuttgart eines verbundübergreifenden Tickets für Busse und Bahnen. Nach dem Karlsruher Modell schlug er eine verbundübergreifende Tageskarte vor. Rainer Ganske (Verband Region Stuttgart) sprach sich dafür aus: „Mit einem Ticket wird die Metropolregion für die Bürgerinnen und Bürger greifbar“.

Die Anwesenden kamen überein, eine schrittweise Einführung des Metropolen-Tickets ins Auge zu fassen, zunächst auf Strecken, auf denen schon heute eine große Nachfrage besteht. Auch für Studierende aus Tübingen und Stuttgart müsse eine Lösung gefunden werden.

Der Koordinierungsausschuss

Der Koordinierungsausschuss Europäische Metropolregion Stuttgart wurde im November 2007 ins Leben gerufen, um die themenbezogene Zusammenarbeit zwischen den Regionen Stuttgart, Heilbronn-Franken, Neckar-Alb, Nordschwarzwald und Ostwürttemberg zu fördern. Die inhaltliche Arbeit des Ausschusses wird in den Arbeitsgruppen geleistet. Sie beschäftigen sich mit folgenden Themen: Tourismus, Neckar/Verkehr, Wirtschaft/Innovation, Wissenschaft und neuerdings Umwelt.

Vorsitzender des Koordinierungsausschusses ist der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. Sein Stellvertreter ist der Stuttgarter Regionalpräsident Thomas S. Bopp. Die Geschäftsführung hat derzeit Dr. Walter Rogg, Geschäftführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS). Die Nächste Sitzung ist für Donnerstag, 15. Januar 2009, 9.00 Uhr beim Verband Region Stuttgart vorgesehen.