Image der S-Bahn erneut besser

Verband Region Stuttgart investiert in Videoüberwachung – Pünktlichkeit macht Sorgen

STUTTGART: Bis Ende 2010 sollen auf den Bahnsteigen aller 71 S-Bahn-Stationen Schritt für Schritt Videokameras installiert werden. Der Verkehrsausschuss hat heute mit Stimmen von CDU, SPD, Freien Wählern, FDP und Republikanern beschlossen, diese Videoüberwachung mit 1,67 Millionen Euro zu finanzieren. Damit re-investiert der Verband Region Stuttgart die Ausgleichszahlungen der Deutschen Bahn AG im Sinne der Fahrgäste.

Denn in Verbindung mit den regionalen Ansagern der Deutschen Bahn dient die Videoüberwachung dazu, die Fahrgäste besser auf dem Laufenden zu halten. „Es kann zielgerichteter informiert werden, wenn man sich ein Bild vom Bahnsteig machen kann“, so Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler. Sicherheitsaspekte seien eher ein positiver Nebeneffekt. Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding sprach von einem „erweiterten ahrgastinformationskonzept“. Die Bilder werden live an die 3 S-Zentrale der Deutschen Bahn übermittelt und zwei Tage bei der Bundespolizei gespeichert.

Die S-Bahn kommt an

„Die S-Bahn kommt als Verkehrsmittel an“, formulierte Wirtschaftdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler. Nach den heute veröffentlichten Qualitäts-Ergebnissen schneidet die S-Bahn bei den Fahrgästen mit einer Durchschnitts-Note von 2,6 erneut besser ab als im Vorjahr. Sowohl Pünktlichkeit, Sicherheit, Sauberkeit als auch Information im Regelfall wurden von den 500 Fahrgästen besser bewertet als noch im Jahr 2006 (Schulnote 2,7). Die Zielwerte sind nahezu durchweg erreicht. Lediglich bei Störungen möchten die S-Bahn-Nutzer besser informiert werden.

Sowohl in der subjektiven Beurteilung der Fahrgäste als auch bei objektiven Stichproben durch neutrale Gutacher hat die Sauberkeit ebenfalls wieder besser abgeschnitten. Obwohl das Gesamtniveau der Pünktlichkeit bei der S-Bahn Stuttgart sehr hoch liege, bereite die Pünktlichkeit Sorgen, formulierte Dr. Wurmthaler. Die Ergebnisse für 2007 zeigen einen deutlichen Abwärtstrend.

Gerade in der für Pendler wichtigen Hauptverkehrszeit bei einer Pünktlichkeit von bis zu drei Minuten ist der Wert von 86,3 Prozent (2006) auf 83,5 Prozent und damit um 2,8 Prozentpunkte zurück gegangen. Der von DB AG und Verband Region Stuttgart vereinbarte Zielwert liegt bei 91,5 Prozent. Ein Grund für das schlechtere Abschneiden bei der Pünktlichkeit liegt in Auflagen des Eisenbahnbundesamtes, wonach die neuen S-Bahn-Züge des Typs ET 423 an bestimmten Stellen langsamer fahren müssen. Die dichte Zugfolge im S-Bahn-Netz sowie jahreszeitlich bedingte Behinderungen führten insbesondere Ende 2007 dazu, dass Verspätungen nicht mehr einzufangen waren und sich im Netz fortsetzten. Zu Beginn des laufenden Jahres zeige der Trend wieder nach oben, sagte Dr. Wurmthalter. „Ich hoffe, das bleibt so.“

Für und Wider der Videoüberwachung

Für Rainer Ganske (CDU) ist Videoüberwachung unter Sicherheitsaspekten und im Sinne einer Qualitätsverbesserung sinnvoll. Sie trage dem Wunsch der Fahrgäste Rechnung, bei Störungen besser informiert zu werden.

Der Antrag von Harald Raß (SPD), weitere Details zum Sicherheitsempfinden der Fahrgäste und zur objektiven Sicherheitslage in S-Bahnen und an S-Bahn-Stationen zur Verfügung zu stellen, wurde einstimmig begrüßt.

„Die Videoüberwachung ist im Grundsatz sinnvoll“, sagte Bernhard Maier (Freie Wähler).

Seine Fraktion bevorzuge den Einsatz von Sicherheitspersonal statt der Videoüberwachung, begründete Josef Matschiner die Ablehnung durch B’90/Grüne.

Nach Dr. Wolfgang Weng (FDP) seien die Dinge in keinem schlechten Zustand, aber Verbesserungen sind möglich.

Gerd Kobe (Republikaner) erinnerte daran, dass die nun beschlossene Videoüberwachung dem Haushaltsantrag seiner Fraktion aus dem Jahr 2006 entspricht.

Die Ausgleichszahlung, die die Deutsche Bahn AG an den Verband Region Stuttgart für nicht oder nicht ausreichend erbrachte Leistungen zahlt, beläuft sich 2007 auf etwa eine Million Euro. Diese sowie weitere Gelder aus dem Jahr 2006 und künftige Pönale-Zahlungen werden in die Ausstattung der S-Bahn-Stationen mit Videokameras investiert.

Das Qualitätsmesssystem

Zum fünften Mal seit 2003 haben die Deutsche Bahn AG und der Verband Region Stuttgart im Jahr 2007 die Qualität der S-Bahn durch ein unabhängiges Institut erheben lassen. Befragt wurden um die 500 Fahrgäste nach ihren subjektiven Eindrücken, beispielsweise zu Pünktlichkeit, Sauberkeit, Information und Sicherheit. Neutrale Prüfer haben ebendiese Kriterien durch Stichproben in 220 Zügen abgecheckt. Die Pünktlichkeit der S-Bahn wird kontinuierlich erhoben und monatlich abgeglichen.

Das Qualitätsmesssystem ist Bestandteil des im Juli 2003 unterzeichneten Vertrags über den Betrieb der S-Bahn Stuttgart. Die Deutsche Bahn AG und der Verband Region Stuttgart hatten sich darin auf einen hohen Qualitätsstandard festgelegt, um die Fahrt mit der S-Bahn noch attraktiver zu machen. Auf den sechs S-Bahn-Linien sind an jedem Tag etwa 330.000 Menschen unterwegs.