Metropolregionen beraten europäische Leitlinien der Stadt- und Raumentwicklung

Konferenz der europäischen Metropolregionen thematisiert zukunftsgerechte Infrastruktur in Wachstumsräumen – Debatte zur EU-Politik der „Urban Agenda“, „territorialen Agenda“ und „Leipzig Charta“

Nachhaltige Mobilität, Stadt-Umland-Beziehungen, Digitalisierung oder grüne Ausgleichsflächen – es sind ähnliche Herausforderungen, vor denen wirtschaftsstarke Ballungsräume in Europa stehen. Über 100 Vertreter von 35 Metropolregionen aus 19 Nationen berieten sich am Donnerstag und Freitag auf einer Konferenz des EU-Netzwerks METREX (The Network of European Metropolitan Regions and Areas) zur zukünftigen Ausrichtung der europäischen Stadt- und Raumentwicklungspolitik und über eine zeitgemäße Infrastruktur für wachsende Metropolregionen. Eingeladen hatte der Verband Region Stuttgart. Die METREX-Präsidentin und Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling verdeutlichte, dass die Belange der Metropolregionen auf europäischer Ebene ein großes Gewicht innehaben müssen. Sie seien die Motoren für Wachstum und Innovation sowie „zentrale Säulen der EU“.

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 soll die zukünftige europäische Stadt- und Raumentwicklungspolitik mit der „Urban Agenda“, der „Leipzig Charta“ und der „territorialen Agenda“ aktualisiert werden. Zur Fortschreibung der „Urban Agenda“ mahnte der polnische Vorsitzende der Urban Intergroup im Europäischen Parlament, Jan Olbrycht, an, in der nächsten Phase von Absichtserklärungen hin zu verbindlichen Vorgaben zu kommen. Den bisherigen vielschichtigen Prozess mit zahlreichen Akteuren müsse man nun nützen für die nächste Stufe. Jetzt brauche man jedoch einen rechtlichen Rahmen für die praktische Umsetzung mit klaren Verantwortlichkeiten und den nötigen finanziellen Mitteln. Die „Leipzig Charta“ und die „territoriale Agenda“ für eine nachhaltige Stadt- und Raumentwicklungspolitik wurden diskutiert mit verantwortlichen Akteuren für die Fortschreibung der europäischen Leitlinien, Dr. Rupert Kawka vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Christian Huttenloher vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung und Prof. Silke Weidner von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Insgesamt forderten die Teilnehmer die EU auf, ein starkes Engagement für ihre Städte zu zeigen. Das soll sie in die Lage versetzen, die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Dr. Nicola Schelling bekräftigte die Position von METREX, dass man durch die zunehmende Mobilität und die Verflechtungen der Zentren mit ihrer Peripherie die „StadtRegionen“ als einen zusammenhängenden funktionalen Raum in den Blick nehmen müsse. Auch Vertreter anderer Metropolregionen plädierten dafür, den bisherigen Fokus auf einzelne Städte auszuweiten auf die eng verbundenen Umlandregion. Viele Referenten betonten die Bedeutung der Metropolregionen für die Zukunft Europas als Motoren für wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand und Innovationen, aber auch ihre Schlüsselrolle für ökologische Nachhaltigkeit und das gesellschaftliche Zusammenleben. Denn fast zwei Drittel des europäischen Bruttosozialprodukts wird in Metropolregionen erwirtschaftet. Diese übernehmen dabei zentrale Funktionen für das großräumige Umland: Arbeitsplätze und Einrichtungen der Bildung, Kultur, Medizin und Verwaltung sind meist dort angesiedelt. Dabei müssen sie auch Antworten finden auf ihre speziellen Problemstellungen wie Mobilität, Umweltverschmutzung, Fragen von Sicherheit, sozialer Integration oder bezahlbarer Wohnraum. Die Metropolregionen beabsichtigen, ihre Anliegen auch weiterhin in den laufenden Prozess der Leitlinien-Aktualisierungen einzubringen.

Anschaulich wurde am ersten Konferenztag dargestellt, wie man aktuelle Herausforderungen für die Infrastruktur der Ballungsräume angehen kann. Die Teilnehmer der Konferenz nahmen nicht nur die Erfahrungen, sondern auch die Begeisterung mit, welche die Verantwortlichen für Leuchtturmprojekte aus der Region Stuttgart weitergaben: über die Remstal Gartenschau 2019 zur Entwicklung einer grünen Infrastruktur, die Gigabit Region Stuttgart für den flächendeckenden Breitbandausbau, das Living Lab Ludwigsburg als Beispiel für Smart Cities sowie über das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm mit Stuttgart 21 für die Neugestaltung eines ganzen Bahnknotens. Ergänzt wurde das Spektrum der unterschiedlichen Herangehensweisen bei Infrastrukturvorhaben von METREX-Partnerregionen aus dem Ausland. Ein Blick in die USA verdeutlichte zudem, welche Auswirkungen allein eine einzige Unternehmensentscheidung für eine ganze Region haben kann. Die Region Northern Virginia als Partnerregion der Region Stuttgart zeigte, wie die Ansiedlung des zweiten Amazon-Hauptquartiers in Arlington vorbereitet wurde und welche Herausforderungen sich mit den etwa 25.000 neuen Arbeitsplätzen ergeben.

45 europäische Metropolregionen und Ballungsräume haben sich in METREX für einen Austausch über Raumplanung und Regionalentwicklung sowie für eine Interessenvertretung der Metropolregionen zusammengeschlossen. Zwei Mal jährlich werden aktuelle Themen und Handlungsansätze auf einer Konferenz behandelt. Der Verband Region Stuttgart ist seit 18 Jahren in dem europäischen Netzwerk aktiv.

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