Region beschließt Verlängerung der S6 bis Calw

Rahmenbedingungen und regionale Finanzierung der ersten S-Bahn über die Regionsgrenze beschlossen. Zunächst Kombination aus Hermann-Hesse-Bahn und Zusatz-S-Bahn zwischen Feuerbach und Weil der Stadt geplant. Perspektivisch umsteigefreier S-Bahnverkehr zwischen Calw und Stuttgart.

Die S6 wird die erste S-Bahn, die über die Regionsgrenze hinaus verkehrt – das hat der regionale Verkehrsausschuss in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen. In Vorberatungen mit dem Landkreis Calw und dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg wurden die Rahmenbedingungen und Finanzierung festgelegt, die nun zur Umsetzung kommen können. Schon lange haben die beteiligten Gremien und Vertreter eine Schienenverbindung in den Landkreis Calw diskutiert. Neue Randbedingungen haben nun zu einem zustimmungsfähigen Konzept geführt, das gemeinsam umgesetzt werden kann. So soll in der Vorstufe die Hermann-Hesse-Bahn reaktiviert und eine Zusatz-S-Bahn zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen eingeführt werden, bevor die S6 nach Calw verlängert wird. Hierzu beigetragen haben unterschiedliche Aspekte. So bedarf die S6 einer Entlastung, im Abschnitt zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen, da die S-Bahn dort derzeit das einzige Schienenangebot ist. Eine Zusatz-S-Bahn in der Hauptverkehrszeit könnte die Entlastung ganz ohne Infrastrukturausbau bringen. Diese würde nicht an allen Haltestellen auf der Strecke halten und hätte daher eine etwas kürzere Reisezeit. Das im Ausschuss vorgestellte Konzept sieht vor, dass die Zusatz-S-Bahn im Abschnitt zwischen Renningen und Weil der Stadt Vorrang vor der Hermann-Hesse-Bahn erhält. Letztere endet in der Hauptverkehrszeit bereits in Weil der Stadt. Der Einsatz der Hermann-Hesse-Bahn auf dem Abschnitt zwischen Calw und Weil der Stadt erfordert für Reisende bis nach Stuttgart einen Umstieg auf die Zusatz-S-Bahn, weshalb dieses Konzept nur bis zur durchgängigen Verlängerung der S6 bis Calw zum Tragen kommt. Hierfür ist noch die Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Calw und Weil der Stadt nötig.

Die vorgesehene Neuregelung des Bundesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes begünstigt dieses Konzept zusätzlich, denn es ermöglicht eine Förderung von bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Für den Bau und Betrieb der beiden Ausbaustufen sollen die regionalen Finanzierungsgrundsätze gelten. So wird die Zusatz-S-Bahn in den bestehenden Verkehrsvertrag aufgenommen und bedarf für ihren Betrieb innerhalb der Region keiner zusätzlichen Finanzierungsregelungen. Mit dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg und dem Landkreis Calw soll eine Vereinbarung über die weitere Finanzierung geschlossen werden. Der Verband Region Stuttgart bleibt bei der grenzüberschreitenden S-Bahn der Besteller, sodass er weiterhin die vollumfängliche Zuständigkeit hat. Der regionale Verkehrssauschuss hat in seiner heutigen Sitzung die Umsetzung des Ausbaus sowie die Vorbereitung einer Kooperationsvereinbarung mit dem Land und dem Landkreis Calw beschlossen.

Rainer Ganske (CDU/ÖDP) zeigte sich erleichtert: „Was lange währt, wird endlich gut. Es macht Sinn, eine durchgehende und umsteigefreie Verbindung ins Oberzentrum Stuttgart anzubieten.“ Er plädierte dafür, die S-Bahn-Lösung „schnellstmöglich“ umzusetzen. Das Ergebnis befriede nun das strittige Thema und sei insofern gut für die Fahrgäste und die Bevölkerung vor Ort. Dr. Stefan Belz (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete die Lösung als “großen Schritt“. Es sei gut, dass „der Knoten aufgelöst“ sei. Dr. Belz betonte, dass die Vorstufe jedoch nur ein „erster Baustein“ sein könne, Ziel sei eine rasche umsteigefreie Verbindung in den Landkreis Calw. Mit dem zusätzlichen Angebot nehme die Region ihre Verantwortung wahr, den ÖPNV weiter voranzubringen. Für Bernhard Maier (Freie Wähler) ist die vereinbarte Priorität für die S-Bahn unter anderem Ergebnis eines interfraktionellen Antrags aus der Regionalversammlung. Er kritisierte jedoch, den Bahnhof Renningen nur für eine Übergangsphase wegen des Halts der Hermann-Hesse-Bahn in der Nebenverkehrszeit umzubauen. Zudem forderte er, die Strecke „bereits jetzt S-Bahn-kompatibel zu bauen“. Für Thomas Leipnitz (SPD) ist es erfreulich, dass nun eine S-Bahn-Lösung kommt und das Projekt bald Fahrt aufnimmt. Weiter: „Das nützt den Fahrgästen und den Menschen an der Strecke.“ Auch er appellierte an den Landkreis Calw, seine Zusagen einzuhalten. Joachim Hülscher (AfD) zweifelt den raschen Fortgang des Vorhabens an: „Nach den jahrelangen Verhandlungen gehe ich nicht davon aus, dass das Projekt jetzt schnell umgesetzt wird.“ Hans Dieter Scheerer (FDP) sagte: „Wir sind ein ganz großes Stück weiter.“ Doch auch er hält den Umbau des Renninger Bahnhofs für falsch. Wolfgang Hoepfner (DIE LINKE/PIRAT) bedauerte die jahrelangen Verzögerungen. Auch kritisierte er das „Nadelöhr“ zwischen Weil der Stadt und Renningen, das leistungsfähige Nahverkehrsangebote verhindere.

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