Region fasst Baubeschluss für S2 nach Neuhausen – Baubeginn für Mitte 2023 geplant

Um zeitliche Verzögerungen zu vermeiden wurde die zweite Meilensteinentscheidung vorgezogen. Deutlich geringere finanzielle Belastungen für Region, Landkreis und Kommunen aufgrund verbesserter Förderbedingungen zu erwarten.

Zwischen Filderstadt und Neuhausen soll eine vier Kilometer lange Strecke zur Verlängerung der S-Bahn entstehen. Nachdem seitens des Regierungspräsidiums Stuttgart der Planfeststellungsbeschluss erlassen wurde, hat der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart den zweiten Meilensteinbeschluss zur Bauausführung gefällt.

Zunächst war geplant, diese Entscheidung erst nach Vorliegen des Zuwendungsbescheids und des Planfeststellungsbeschlusses zu fassen. Um Verzögerungen zu vermeiden und unmittelbar nach Vorliegen des Zuwendungsbescheids mit den Vergabeprozess für die Bauleistungen durchführen zu können, wurde von den Projektpartnern entschieden, den Beschluss zur Bauausführung vorzuziehen. So kann mit einem Baubeginn Mitte 2023 gerechnet werden. Da sich die Förderbedingungen verbessert haben und das Bundesministerium für Digitalisierung und Verkehr die Strecke als Reaktivierungsvorhaben in sein Bundesprogramm aufgenommen hat, kann mit höheren Zuschüssen gerechnet werden.

Der Landkreis Esslingen, Filderstadt, Neuhausen a.F. und die Region haben sich verpflichtet, die Kosten, die nicht vom Fördergeber übernommen, werden zu übernehmen. Hierzu zählen neben den nicht zuwendungsfähigen Anteilen an den Bau- und Planungskosten das Betriebskostendefizit für zehn Jahre und die Fahrzeuginvestitionskosten. So ist für den Betrieb der Strecke neben dem Neubau der Infrastruktur der Kauf von drei neuen Fahrzeugen vorgesehen.Von den geschätzten Gesamtkosten in Höhe 210 Mio. übernehmen die Fördergeber Bund und Land voraussichtlich 186 Mio. Die restlichen 24 Mio. wären von der Region zu tragen. Hiervon übernimmt der Verband Region Stuttgart zwei Drittel der Kosten, also voraussichtlich 16 Mio., den Rest übernehmen Filderstadt und Neuhausen. Frühere Betrachtungen sind von einem regionalen Anteil zwischen 70 und 80 Mio. ausgegangen. Bezüglich des Gesamtkostenumfangs von rund 210 Mio. Euro ist festzuhalten, dass dieser den Wissensstand im Jahr 2020 bei einem unterstellten Umsetzungszeitraum von Mitte 2022 bis Mitte 2026 widerspiegelt. Auf dieser Basis wurden Baupreissteigerungen bis zum Realisierungsjahr berücksichtigt. Weitere Entwicklungen bei den Bau- und Planungskosten, insbesondere aufgrund von Corona und der derzeitigen Situation in der Ukraine, können derzeit nicht prognostiziert werden. Der Bund hat diesbezüglich mitgeteilt, dass Baupreissteigerungen geltend gemacht werden könnten.

Meilensteinentscheidungen erfordern die Zustimmung aller Projektpartner. Nach dem der Kreistag Esslingen, der Gemeinderat Neuhausen a.F. und der Verkehrsausschuss der Region zugestimmt haben, steht noch die Entscheidung aus Filderstadt aus. Sollte am 25. Juli auch hier die Zustimmung kommen kann nach Vorliegen des Zuwendungsbescheids voraussichtlich Mitte 2023 mit dem Bau begonnen werden.

Stimmen aus den Fraktionen

Mathias Rady (CDU/ÖDP) konstatierte: „Leider zeigt sich wieder, dass wenn Verzögerungen anstehen, die Kosten steigen.“ Aufgrund von Corona habe man nun 1,65 Mio. Zusatzkosten. Das sei ärgerlich. Um weitere Verzögerungen und Kostensteigerungen zu verhindern, stimme seine Fraktion zu. Michael Lateier (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ging davon aus, dass es angesichts der Baupreissteigerung nicht bei dieser Kostensteigerung bleiben werde. „Die Klimawende, die wir dringend brauchen, schaffen wir auf diesem Weg nicht.“ Er appellierte an die SSB hier einen attraktiven Bahnhof zu bauen. Laut Bernhard Maier (Freie Wähler) gehöre die S2 nach Neuhausen zu den gemeinsamen fraktionsübergreifenden Zielen. Er sei aufgrund der Zusage des Bundes, Preissteigerungen geltend machen zu können, dennoch zuversichtlich. „Man soll alles für möglich halten, manchmal auch das Gute“, so Michael Makurath (SPD). Das Projekt löse sich nun vom Ungefähren und ließe den Meilensteinbeschluss zu. Joachim Hülscher (AfD/FR) betonte, dass man bei Baukosten schon viel Unangenehmes erlebt habe. Er hoffe, dass es bei der Ausschreibung der Leistungen nicht so komme. Rena Farquhar (FDP) bezeichnete die Entscheidung als „wichtigen Schritt für eine sehr kleine und kostenintensive Strecke.“ Michael Knödler (DIE LINKE/PIRAT) hoffte, dass es ohne Verzögerungen weitergeht. Die SSB sei dabei ein verlässlicher Partner.

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