Region unterstützt Kommunen bei der Ausweisung von Gewerbegebieten

Kaum noch Raum zum Wirtschaften vorhanden. Erstmalig regionale Kofinanzierung zur Aktivierung von Gewerbeflächen in Donzdorf und Ostfildern.

In der Region Stuttgart fehlt es weiterhin an Gewerbeflächen, das ist das Fazit des Berichts zur Gewerbeflächenentwicklung, der im heutigen Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung vorgestellt wurde. Der durchschnittliche jährliche Bedarf an neuen Gewerbeflächen von 100 Hektar werde nicht mehr gedeckt, so Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS). Der aktuelle Monitoringbericht macht deutlich, dass auch die kurzfristig marktreifen Gewerbeflächen in der Region Stuttgart nicht mehr ausreichen. Zuschnitt der Flächen, räumliche Verteilung oder rechtlich erlaubte Nutzung entsprechen zudem nicht immer der Nachfrage, was die Situation zusätzlich verschärft. Im Bericht wird dringend empfohlen, kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, um die perspektivisch baureifen Gewerbeflächen in der Region an den Markt zu bringen. Anhand einer Kommunenbefragung wurden Angebot und Nachfrage von Gewerbeflächen für die Jahre 2017 bis 2018 erfasst. Jährlich wurden in der Region Stuttgart durchschnittlich ca. 160 Hektar Gewerbegrundstücke angefragt. Rund ein Drittel davon konnte auf bereits bestehenden Flächen realisiert werden. Die größte Nachfrage bestand im Landkreis Böblingen, gefolgt vom Landkreis Ludwigsburg und dem Stadtkreis Stuttgart. Über die Hälfte der Anfragen kamen aus der Industrie.

Insgesamt gibt es ein regionales Potenzial aus marktreifen und noch nicht marktreifen Gewerbeflächen von 1.030 Hektar. Davon sind 200 Hektar voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Jahre verfügbar. Rund 400 Hektar sind in den nächsten zwei bis fünf Jahren baureif, weitere 440 Hektar können frühesten in fünf Jahren umgesetzt werden. Die im Regionalplan ausgewiesenen Regionalen Gewerbeschwerpunkte beinhalten etwa die Hälfte des gesamten Flächenpotenzials der Region. Allerdings sind lediglich 12 Prozent davon innerhalb der nächsten zwei Jahre verfügbar. Auch bei den insgesamt 125 Hektar Brachfläche sind nur 42 Hektar in den kommenden zwei Jahren marktreif.

Kofinanzierung zur Aktivierung von Gewerbeflächen in Donzdorf und Ostfildern

Um die Bereitstellung von Gewerbeflächen anzukurbeln vergibt der Verband Region Stuttgart dieses Jahr erstmalig eine Kofinanzierung für die Umsetzung regional bedeutsamer Gewerbe- und Industrieflächen. Das gemeinsame Programm von Verband und Wirtschaftsförderung Region Stuttgart unterstützt kommunale Maßnahmen, insbesondere, wenn sie bereits in Flächennutzungsplänen vorgesehen sind oder im Bestand umstrukturiert werden können. Grundlegende Voraussetzung ist neben der regionalen Bedeutsamkeit des Projekts, dass dadurch signifikante Entwicklungshemmnisse beseitigt werden können oder die Umstrukturierung im Bestand unterstützt wird. Innerhalb von fünf Jahren stehen dafür drei Millionen Euro Kofinanzierungsmittel zur Verfügung.

Für die erste Wettbewerbsrunde wurden fünf Projektanträge eingereicht. Der Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Verwaltung hat am heutigen Freitag beschlossen, den Anträgen zur Umsetzung von Gewerbeflächen-Projekten in Donzdorf und Ostfildern stattzugeben. Das Projekt „Gewerbepark Lautertal“ in Donzdorf wird mit einer Summe von 105.000 Euro unterstützt. Die Mittel ermöglichen es, notwendige archäologische Ausgrabungen voranzutreiben, die der Erschließung vorangehen müssen. In Ostfildern wird die Marktreifmachung des Gewerbegebiets „Unter dem Plieninger Weg“ mit 600.000 Euro unterstützt. Mit Hilfe der Region können zwei Hochspannungsleitungen in die Erde verlegt werden, was die Vergrößerung des Gewerbegebiets um drei Hektar ermöglicht.

Für Andres Koch (CDU/ÖDP) liefert der Bericht einen wichtigen Überblick. Es sei kein Geheimnis, dass die Nachfrage das Angebot übersteige. Wenn sich jedoch die Chance bietet neue Unternehmen anzusiedeln, dann sollte man sie ergreifen. Voraussetzung dafür seien aber qualitative und quantitativ verfügbare Flächen. Die Region ist hier schon tätig geworden und hat sowohl regionale Vorhaltestandorte in der Planung, als auch das Kofinanzierungsprogramm beschlossen. „Wir haben bereits die Maßnahmen ergriffen, die wir ergreifen können.“ Dorothee Kraus-Prause (Grüne) lobte, dass im Betrachtungszeitraum Brachen und mindergenutzte Flächen zunehmend genutzt wurden. Der Monitoringbericht sei für sie ein Lenkungsinstrument, um zu erreichen, dass Brachen verstärkt auf den Markt kommen. Sie betonte, dass man sich in Zukunft auch mit der Weiterverwendung von Flächen beschäftigen müsse, die durch Neubauten und Umzüge von Unternehmen freiwürden. Gerd Maisch (Freie Wähler) sah den Bericht als zutreffende Beschreibung der Situation, die man täglich in den Rathäusern der Region erlebe. Er betonte, dass jede Kommune froh sei, wenn Brachen genutzt werden könnten. Dies sei aber aufgrund von Finanzierungsproblemen und anderen Rahmenbedingungen nicht immer möglich. Harald Raß (SPD) betonte, dass aus einem früheren Bericht das aktuelle Kofinanzierungsprogramm hervorgegangen sei. Deswegen bliebe der Bericht alle zwei Jahre notwendig und die Erkenntnisse verstärkt in die Kommunen getragen werden sollten. Hartfrid Wolff (FDP) betonte, dass, wenn man die Arbeitsplätze in der Region halte wolle, man auch Flächen benötigt. Die FDP hält es für wichtig sich beim Land stark zu machen, um mit entsprechenden Regelungen und Förderprogrammen die Flächenbereitstellung zu erleichtern. Peter Rauscher (DIE LINKE/PIRAT) ging auf die Methodik der kommunalen Abfrage ein. Diese führe zu zweifelhaften und nicht gesicherten Aussagen.

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