Region vergibt über zwei Millionen Euro für Maßnahmen zur Aufwertung der Landschaft

Kofinanzierungsprogramm zum Landschaftspark Region Stuttgart so gefragt wie noch nie. Mit insgesamt 1.4 Millionen Euro geht der größte Anteil nach Winnenden, Stuttgart und Esslingen.

Landschaft nicht nur schützen, sondern auch aufwerten und gestalten: Dies ist die Grundidee des Landschaftsparks Region Stuttgart. Alljährlich unterstützt der Verband Region Stuttgart Städte und Gemeinden in der Region hierzu mit dem Kofinanzierungsprogramm Landschaftspark Region Stuttgart. In seiner heutigen Sitzung ist der regionale Planungsausschuss der Empfehlung der Jury gefolgt und hat die Förderung von 21 Projekten beschlossen. Lediglich sechs Projekte lehnte die Jury im Vorfeld ab. Erstmalig seit Bestehen des Programms werden dieses Jahr 2.001.738 Euro vergeben. Mit 700.000 Euro geht der größte Anteil nach Winnenden für ein Leuchtturmprojekt.

Hier plant die Stadt, die Buchenbachaue im Bereich zwischen dem Stadtteil Höfen und dem östlichen Siedlungsrand von Winnenden in zwei Bauabschnitten zu einem ökologisch wertvollen Naturerlebnisraum zu entwickeln. Es verbessert die Wohnumfeld- und Umweltqualität, leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung und zum Hochwasserschutz.

300.000 bzw. 400.000 Euro gehen für mehr Aufenthaltsqualität am Neckar nach Esslingen und Stuttgart. Die Stadt Esslingen am Neckar greift eine Projektidee des Masterplans Neckar auf. Auf einer Länge von 1,2 km soll eine öffentlich zugängliche Erholungsfläche mit unterschiedlichen Aufenthaltsplätzen und naturnahen Uferzonen am Neckar entstehen: der Neckaruferpark. Ziel ist es, die Erholungs- und Biotopfunktionen am Neckar zu verbessern und die bisher geschaffenen Aufwertungen am Neckar fortzusetzen.

Vergleichbar mit dem Neckaruferpark plant die Stadt Stuttgart eine 900 m lange öffentliche Naherholungsfläche entlang des Neckarufers am Wasen mit Aufenthaltsbereichen und naturnahen Flachwasserzonen. Auch dies ist ein Projekt aus dem Masterplan Neckar. „Das Projekt trägt dazu bei, die Flusslandschaft im urban stark überformten Umfeld erlebbar zu machen“, heißt es in der Begründung für die Kofinanzierung. An beiden Projekten will sich der Verband Region Stuttgart auch in den kommenden zwei Jahren mit jeweils 300.000 beteiligen.

Die Städte und Gemeinden entlang des bestehenden Museumsradwegs zwischen Weil der Stadt und Nürtingen können sich ebenfalls über Kofinanzierungsmittel freuen.  Ziel ist es, den rund 50 Kilometer langen Museumsradweg schrittweise durch verschiedene Gestaltungselemente und teils interaktive Informations- und Erlebnisstationen zur umgebenden Landschaft und ihrer Geschichte aufzuwerten. Dazu gehört auch der neue Name „Entdeckertour – KulturLandschaft zwischen Heckengäu und Schönbuch“ sowie die Ausschilderung mit einem neuen Logo. Die Konzeption soll schrittweise umgesetzt werden. Für die ersten Maßnahmen dieses interkommunalen Projekts gehen insgesamt 78.738 Euro nach Aidlingen, Altdorf, Hildrizhausen, Holzgerlingen, Nürtingen, Waldenbuch, Weil der Stadt, Weil im Schönbuch und an die Landkreise Böblingen und Esslingen.

Im Gegensatz zu den anderen Verdichtungsräumen verfügt die Region Stuttgart beinahe flächendeckend über eine hohe landschaftliche Erholungsqualität und gleichzeitig unterliegen die Landschaftsräume einem hohen Nutzungsdruck. Dies unterstreicht die hohe Relevanz des Instruments Landschaftspark Region Stuttgart, die sich durch die Pandemie zusätzlich verstärkt hat. Durch günstigere Projekte in den Vorjahren oder zum Teil nicht abgerufene Projektmittel ist man übereingekommen die üblichen 1.5 Millionen, die hierfür jährlich zur Verfügung stehen, einmalig aufzustocken.

Stimmen der Fraktionen

Roland Schmid (CDU/ÖDP) betonte, dass seine Fraktion es für richtig halte, die Projektmittel auf zwei Millionen Euro zu erhöhen, da so das übrige Geld richtig eingesetzt werde. „Das Kofinanzierungsprogramm Landschaftspark macht die Region sichtbar und erlebbar.“ Es sei ein verbindendes Element „durch gemeinsame Aufgaben über Gemeindegrenzen hinweg, aber auch indem es Menschen näher zusammenbringt“, freute sich Schmid. Weiter konstatierte er: „Große Maßnahmen sind sichtbarer, aber die Kleinen sind genauso bedeutsam.“ Der Vorschlag der Jury sei daher ein gelungener Mix mit nachhaltigen Verbesserungen und einer Aufwertung des gesamten Verbandsgebiets.

„Wir sind in Stuttgart insofern privilegiert, dass unser Nutzungsdruck auch tatsächlich mit einer Eignung korrespondiert“, stellte Dorothee Kraus-Prause (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) fest. Ein Großteil der Projekte sei sehr gelungen, schön sei, dass deutlich vermehrt als früher Kinder und Jugendliche einbezogen würden. In ihrer Fraktion habe es aber durchaus Stimmen für die kleine Version der Fördersumme gegeben. „Nicht, weil wir kein Geld ausgeben wollen, sondern weil wir bei manchen Projekten das Gefühl hatten, die regionale Bedeutsamkeit kommt zu kurz.“ Einige Aufgaben könnten die Kommunen auch selbst bewerkstelligen. Kraus-Prause bat daher, den Begriff zu schärfen.

Peter Aichinger (Freie Wähler) bedankte sich für die gute Vorbereitung, die es ermöglicht habe „eine qualifizierte Diskussion zu führen und die Entscheidung im Konsens zu treffen.“ Dies sei sowohl bei Leuchtturmprojekten als auch bei kleineren Maßnahmen der Fall gewesen. Für Regina Traub (SPD) war die Erhöhung der Fördersumme durch große und teure Projekte gerechtfertigt. Lobend erwähnte sie das Projekt in Mundelsheim. Das Projekt sei ideal, da es den Mundelsheimern, den Radfahrern auf dem Neckartalradweg sowie der Schifffahrt zugutekomme und habe Vorbildcharakter. „Das Geld ist gut angelegt, da so manche Kommune das ein oder andere Projekt ohne Förderung gar nicht umsetzen könnte“, schloss Traub.

Laut Joachim Hülscher (AfD) sei eine gute Auswahl getroffen worden. Seine Fraktion kritisiere allerdings die „Geldausgebefreude“, mit der die Fördersumme erhöht worden sei. Dennoch resümierte er: „Wenn man die einzelnen bisher kofinanzierten Maßnahmen anschaut sieht man, dass die Mittel gut eingesetzt sind und auf Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen.“ Eine „große Entscheidung“ habe man mit dem erhöhten Förderetat und einer Haushaltswirkung bis 2024 getroffen, so Christoph Ozasek (DIE LINKE/PIRAT). Es sei sachgerecht die Zweckbindung der Mittel zu erhalten. „Die Gesamtschau der Projekte stützt die regionale Tourismusstrategie“, gab sich Ozasek zufrieden.

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Kurzübersicht Kofinanzierung 2022