Renommierte Unternehmen wollen S-Bahn betreiben

Vier Verkehrsunternehmen wollen die S-Bahn fahren

STUTTGART: Insgesamt vier Verkehrsunternehmen aus dem In- und Ausland haben Interesse, die Stuttgarter S-Bahn ab spätestens Dezember 2013 zu betreiben. Bis gestern hatten qualifizierte Verkehrsunternehmen die Möglichkeit, sich am Wettbewerb um den Betrieb der S-Bahn zu beteiligen. Als Träger der S-Bahn hatte der Verband Region Stuttgart im November 2006 dieses wettbewerbliche Auswahlverfahren im Europäischen Amtsblatt bekannt gegeben.

„Jetzt werden wir die Unterlagen auswerten und die mindestens drei bestqualifizierten Unternehmen, die die Anforderungen unseres Wettbewerbsverfahrens erfüllen, auswählen. Mit diesen werden wir anschließend verhandeln“, kündigt Regionaldirektor Dr. Bernd Steinacher an. Als einige Auswahlkriterien nannte er neben Nachweisen zur wirtschaftlichen und technischen Leistungsfähigkeit auch den Nachweis über die erfolgreiche Durchführung von Schienen-Personenverkehren im Ballungsraum mit dichter Taktfolge und hohem Fahrgastwechsel. Bis Mai sollen die Unternehmen feststehen, die in die zweite Runde des dreistufigen Auswahlverfahrens kommen.

Gute Ausgangssituation

Bei den Interessenten handele es sich um renommierte Unternehmen mit großer Erfahrung im Eisenbahnverkehr, so Dr. Steinacher und Wirtschaftsdirektor Dr. Wurmthaler. „Unsere Vorgehensweise, Mindestkriterien so zu setzen, dass sich insbesondere potente Unternehmen angesprochen fühlen, am Wettbewerbsverfahren teilzunehmen, hat sich als richtig erwiesen“. Es läge eine „gute Ausgangssituation“ für ein erfolgreiches Wettbewerbsverfahren vor, urteilen Dr. Bernd Steinacher und Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler übereinstimmend.

Wettbewerbliche Auswahl in drei Stufen

In der zweiten Stufe legen die ausgewählten Verkehrsunternehmen ein erstes Angebot vor, auf dessen Grundlage die Leistungen in Verhandlungen näher beschrieben werden sollen. Ziel sei es, gute Qualität zu einem wirtschaftlichen Preis zu erhalten. „Bei den Verhandlungen werden alle Aspekte angesprochen, die mit dem Betrieb der S-Bahn zusammenhängen“, erläutert Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler. Wichtig seien die Anforderungen an die Fahrzeuge und deren Finanzierung sowie die Berücksichtigung der unterschiedlichen Betriebszustände in Zusammenhang mit Stuttgart 21. Aber auch weitere Themen wie das Qualitätsmanagement, also Pünktlichkeit, Sicherheit und Sauberkeit, das Notfall-Management sowie Wartungs- und Personalkonzepte oder Umweltaspekte würden wesentliche Bestandteile der Verhandlungen darstellen. Sind all diese Punkte geklärt, legten die Verkehrsunternehmen in einem dritten Schritt ihr end-gültiges Angebot vor.

Vergabe in zwei Teilen oder Gesamtvergabe

Die Vergabe des S-Bahn-Betriebs erfolgt in zwei Teilen oder als Gesamtvergabe. Das erste Leistungspaket enthält die S-Bahn-Linien S 1 und S 5 sowie die Verlängerung der S 1 von Plochingen nach Kirchheim, die Kleine Teckbahn und die Schusterbahn. Das zweite, größere Paket umfasst die Linien S 2, S 3, S 4 und S 6 sowie die Ausbaustrecken S 40 und S 60.

Bis Mitte 2008 wird die Regionalversammlung den künftigen Betreiber der S-Bahn in der Region Stuttgart festlegen. Er hat dann vier Jahre Zeit, um sich auf den Betrieb der S-Bahn in der Region Stuttgart vorzubereiten. Die Vertragslaufzeit für den Betrieb umfasst 15 Jahre. Mit einem Gesamtvolumen von jährlich rund 9,8 Millionen Zugkilometern und bezogen auf die Vertragslaufzeit von 2,5 Milliarden Euro handelt es sich um die bisher größte Vergabe von Schienenleistungen im Wettbewerb in Deutschland.

Der aktuelle S-Bahn-Vertrag wurde im Juli 2003 mit DB Regio AG geschlossen. Er läuft mindestens bis Juli 2011 und maximal bis Dezember 2013. Im November 2005 hatte der Verkehrsausschuss beschlossen, den Betrieb der S-Bahn im Wettbewerb zu vergeben. Seither wurde die Ausschreibung vorbereitet.