Ringzentrale für besseren Verkehrsfluss

Die Regionale Verkehrsmanagementzentrale wird konkret. 2022 soll sie mit den ersten Pilotkorridoren an den Start gehen.

Unter dem Namen „Ringzentrale“ soll künftig eine regionale Verkehrsmanagementzentrale zu einem effizienten, sicheren, umweltgerechten sowie wirtschaftlichen Verkehrsablauf beitragen. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern der Pilotkorridore – den beteiligten Landkreisen, Kommunen, der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg – wird damit begonnen, die Schaltungen der Lichtsignalanlagen (Ampeln) koordiniert auf regelmäßig vorkommende Verkehrsüberlastungen abzustimmen. Grundlage dafür ist ein Kooperationsvertrag nach den im ÖPNV-Pakt 2025 vereinbarten Grundzügen.  Der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart hat am Mittwoch diesem Kooperationsvertrag mit dem Land sowie den weiteren Kooperationspartnern zugestimmt und sicherte eine weitere Unterstützung des Projekts über alle Fraktionen hinweg zu. Um weitere Maßnahmen des Verkehrsmanagements zu ermöglichen, hat das Gremium zudem beschlossen, die automatische Belegungserfassung von P+R-Parkplätzen in die Ringzentrale einzubinden. Der Verkehrsdirektor des Verbands Region Stuttgart Dr. Jürgen Wurmthaler wies darauf hin, dass die Verantwortung der Verkehre weiterhin in der jeweiligen Kommune verbleibe und der Verband Region Stuttgart moderierend tätig sei. Die EU beteilige sich mit Fördermitteln für dieses Projekt, mit der Vorgabe, dass es für Nachhaltigkeit und Innovation steht und auch der ÖPNV berücksichtigt werden muss, so Dr. Wurmthaler.

Auch weitere Kommunen und Landkreise können Vertragspartner des Kooperationsvertrags werden und dabei von den für die Region aufbereiteten Verkehrsinformationen profitieren und sich zur Lösung gemeinsamer Verkehrsprobleme austauschen.

Zeitplan, Beteiligte und Funktionsweise

Der Aufbau der Ringzentrale erfolgt in einem eng gestrickten Zeitplan bis zum Frühjahr 2022. In der ersten Pilotphase werden Steuerungsstrategien für Ampelschaltungen festgelegt, die unter vordefinierten Bedingungen von den jeweiligen Lichtsignalanlagen (LSA)-Zentralen umgesetzt werden. Dafür wurden auf Initiative der Kommunen unter der fachlichen und organisatorischen Moderation der Region die folgenden Pilotkorridore erarbeitet:

  • Ludwigsburg – Stuttgart-Nord
  • Ditzingen – Leonberg
  • Böblingen
  • Waiblingen – Fellbach – Stuttgart

 

Die Steuerungsstrategien werden mit allen relevanten Bedingungen in Strategievereinbarungen gefasst, die von den jeweiligen Projektpartnern des Korridors getragen werden. In den vier Pilotkorridoren liegen für einen Start der Ringzentrale 32 definierte Initial-Verkehrssituationen mit den hierfür vorgesehenen 32 Initial-Strategien mit darin insgesamt enthaltenen 200 Einzelmaßnahmen vor. Die Kommunen lassen die Anpassungen der Lichtsignalanlagen in eigener Verantwortung durch Ingenieurbüros und Signalbaufirmen umsetzen. Die Kosten dafür werden aus dem RegioWIN-Projekt gefördert.

So wird es möglich, dass die Signalsteuerung auf wesentlichen innerörtlichen Streckenzügen auf die übergeordnete Verkehrslage reagieren kann: Wenn nötig werden Kapazitäten erhöht oder bei zu hoher Auslastung wird der innerörtliche Verkehr gegenüber dem Durchgangsverkehr priorisiert, indem von außen zuströmender  Verkehr begrenzt wird. Die Zuständigkeit für die Signalanlagen bleibt auch hier bei den Kommunen bzw. Kreisen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Straßenverkehrs wird erwartet, dass die Verkehrsteilnehmer und Verkehrsteilnehmerinnen über die Maßnahmen informiert werden können. Daher sollen die Informationen künftig auch vom MobilitätsDatenMarktplatz des Bundes für Navigationsdienstleister abrufbar werden.

Einbindung von P+R

Bestandteil des regionalen Verkehrsmanagements ist auch das Park-and-Ride (P+R). Die Ringzentrale soll daher die Funktion übernehmen, freie P+R-Plätze zu kommunizieren. So wird auf der P+R-Plätzen sukzessive eine technische Belegungserfassung eingerichtet – ein gemeinsames regionales und kommunales Interesse vorausgesetzt. Die ersten so ausgestatteten P+R-Anlagen werden Bondorf, Kirchheim (Neckar) und Neustadt-Hohenacker sein.

Kosten und Finanzierung

Für den Aufbau der Ringzentrale sowie der örtlichen Maßnahmen der Kommunen und Landkreise werden die RegioWIN-Mittel des Projektes „Regionale Mobilitätsplattform“ eingesetzt. Für die Vernetzung mit den Einrichtungen der Bundes- und Landesstraßen stehen zudem Mittel des Landes zur Verfügung. Für den laufenden Betrieb werden sich die kommunalen Vertragspartner des Kooperationsvertrags mit einem Beitrag zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Jahr beteiligen. Die mit dem Aufbau der Ringzentrale entstehenden laufende Kosten für technische Einrichtungen einschließlich Software und Betrieb, Miete und Personal in Höhe von bis zu 500.000 Euro pro Jahr. Diese werden im Wesentlichen vom Verband Region Stuttgart im Rahmen seiner gesetzlichen Aufgabe der Koordinierung und Förderung des regionalen Verkehrsmanagements getragen.

Stimmen aus den Fraktionen

„Diese Investition und der laufende Betrieb ist eine nachhaltige Maßnahme“, sagte Helmut Noë (CDU/ÖDP). Es sei ein wichtiges Merkmal des Projekts, dass alle Verkehrsteilnehmer davon profitieren. Michael Lateier (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) begrüßte das Ziel, eine gemeinsame Strategie für die Region zu erarbeiten und damit CO2 einzusparen. „Die Einbindung der Park-and-Ride-Anlage ist konsequent.“, so Lateier. Rainer Gessler (Freie Wähler) freute sich: „Ein guter Vorschlag liegt auf dem Tisch“. Das Projekt sei eine „wichtige Zukunftsvision für das regionale Verkehrsmanagement und Miteinander in der Region“. Michael Makurath (SPD) meinte, die unterschiedlichen Ebenen zusammenzubringen, sei gut gelungen. Er begrüßte, Park-and-Ride-Anlagen einzubinden und digitale Kanäle zu nutzen. Für Holger Dorn (AfD) ist das Projekt ein „Paradebeispiel für die Aufgabenstellung der Region und ihre Zukunftsfähigkeit.“ Hans Dieter Scheerer (FDP) begrüßte die regionale Koordination und mahnte an, dass das Projekt nicht allzu bürokratisch sein dürfe. Für Michael Knödler (DIE LINKE/PIRAT) ist es wichtig, damit auch den ÖPNV zu verbessern und bei Bedarf nachzujustieren.

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