„So kann es nicht weitergehen!“

Sondersitzung des Verkehrsausschusses zu S-Bahn-Verspätungen – Sprecher der S-Bahn Stuttgart nimmt Fahrzeughersteller Bombardier in die Pflicht

„Wir werden das neue S-Bahn-Fahrzeug ET 430 wieder in den Fahrgastbetrieb nehmen, wenn drei Voraussetzungen gegeben sind: Nachbesserungen, eine Erklärung des Herstellers sowie erfolgreiche Tests“, erklärte Hans-Albrecht Krause, der Sprecher der S-Bahn Stuttgart heute im Verkehrsausschuss. Nach den massiven Beeinträchtigungen am Dienstagnachmittag, die durch Türstörungen am neuen S-Bahn-Fahrzeug verursacht worden waren, fiel die Entscheidung, sie nicht mehr im Stuttgarter S-Bahn-Netz einzusetzen, sagte er. Mit Dringlichkeitsanträgen hatten SPD und Grüne um Erläuterungen zu den aktuellen S-Bahn-Problemen gebeten und einen S-Bahn-Gipfel beantragt. In einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses sollen deshalb nach der Sommerpause Vertreter des DB Konzerns und des Fahrzeugherstellers Bombardier Rede und Antwort stehen. Ziel ist es, alle Ursachen für Verspätungen der S-Bahn auf den Tisch zu bringen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Seit der Inbetriebnahme der neuen Züge Ende April habe es „fast keinen Tag gegeben, an dem nicht Mängel im Bereich der Türen und des Schiebetritts auftraten“, sagte Krause. Deshalb forderte er die Firma Bombardier nachdrücklich dazu auf, die Fehler „schnellstmöglich und nachhaltig zu beseitigen“. Bisher hätten die Nachbesserungen des Herstellers keinen zuverlässigen Einsatz ermöglicht.  

„So wie es in den letzten Wochen war, kann es nicht weitergehen“, zeigte Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler vom Verband Region Stuttgart Verständnis für die heute von der S-Bahn Stuttgart bekannt gegebene Entscheidung. Allerdings liege das Thema Pünktlichkeit der S-Bahn nicht alleine an den Türen der neuen Fahrzeuge. „Wir müssen Schritt für Schritt Verbesserungen erzielen und dabei alle Kanäle zu allen Konzernteilen der DB nutzen“.  

Die Probleme mit den Fahrzeugen sind beim Hersteller zu suchen, machte Harald Raß (SPD) klar. „Aber es gibt weitere Probleme, die zu einem Bild der S-Bahn führen, das wir nicht gutheißen können“. Ingrid Grischtschenko (Grüne) unterstrich, dass der Dringlichkeitsantrag ihrer Fraktion über die Probleme mit den Fahrzeugen hinausgehe. „Wir sollten miteinander eine Lösung suchen. Denn die S-Bahn bildet die zentrale Achse im System des ÖPNV der Region.“ Als „einen mutigen und notwendigen Schritt“ bezeichnete Rainer Ganske (CDU) die Entscheidung der S-Bahn, die neuen Fahrzeug aus dem Betrieb zu nehmen. Oberstes Ziel müsse es sein, möglichst schnell wieder pünktlich mit den neuen Fahrzeugen unterwegs zu sein. Im Sinne der Fahrgäste regte er Angebotsverbesserungen als Kompensation an. „Oberste Priorität hat eine pünktliche S-Bahn“, sagte Bernhard Maier (Freie Wähler). „Ich halte es für richtig, alle Verantwortlichen an einen Tisch zu bekommen und konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen.“ „Made in Germany“ sei offensichtlich keine Erfolgsgarantie mehr, sagte Armin Serwani (FDP). Von einer „Verunsicherung der Pendler und desaströsen Zuständen seit den Bauarbeiten im Hauptbahnhof“, sprach Christoph Ozasek (Linke). Es müsse Transparenz hergestellt werden.

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