Vertragsgrundlage für Verlängerungen von Stadtbahnen und S-Bahn

Novum beim S-Bahn-Ausbau auf den Fildern: Verband Region Stuttgart finanziert, SSB AG als Bauherrin – Beratungen in Gremien folgen

STUTTGART: Der vertragliche Rahmen für die Verlängerung der S-Bahn-Linie 2 von Filderstadt nach Neuhausen nimmt Gestalt an. „Damit gibt die Region dem Schienenverkehr im Filderraum ein kräftigen Schub“, so der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, Thomas S. Bopp. In seiner nicht öffentlichen Sitzung hat der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart heute einstimmig der Regionalversammlung empfohlen, die Rahmenvereinbarung und die Vereinbarung zur Verlängerung der S2 abzuschließen. Die Regionalversammlung entscheidet am Mittwoch, 25. September.

Die S2 nach Neuhausen ist Teil eines Gesamtprojekts zur Verbesserung der ÖPNV-Anbindung des Filderraums. Darin sind auch die Verlängerung der Stadtbahn U6 zunächst zum Fasanenhof (bereits realisiert) und dann darüber hinaus zur Station Flughafen/Messe enthalten. Die Wirtschaftlichkeit und damit die Förderfähigkeit wurde für dieses Gesamtpaket nachgewiesen. Die Realisierung von Stuttgart 21 wurde vorausgesetzt. Bestandteil der Rahmenvereinbarung ist darüber hinaus die Verlängerung der Stadtbahn U5 von Leinfelden zur Markomannenstraße. 

„Der Verkehrsausschuss hat heute eine wichtige Vorentscheidung getroffen. Er hat ein positives Signal an unsere Partner gesendet, die die Verträge bis Oktober in ihren Gremien beraten werden“, so Thomas S. Bopp. Im Kreistag des Landkreises Esslingen sowie in den Gemeinderäten von Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und Neuhausen auf den Fildern wird die Rahmenvereinbarung in den nächsten Wochen auf den Tagesordnungen stehen.

Der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) soll nächste Woche das grundsätzliche „Go“ für die Projekte geben. Die SSB AG soll als Bauherrin nicht nur die Stadtbahnstrecken ausbauen, sondern auch die knapp 4 Kilometer lange S-Bahn-Strecke nach Neuhausen bauen und später unterhalten. Dazu SSB-Vorstand Wolfgang Arnold: „Wir hatten ursprünglich Pläne für eine Stadtbahn nach Neuhausen.
Es ist deshalb in diesem Fall sinnvoll, dass die SSB, neben der U6- und U5-Verlängerung, auch für dieses wichtige Infrastrukturprojekt verantwortlich ist.“ Für den Betrieb der S-Bahn auf der neuen Strecke wird wie im übrigen S-Bahn-Netz auch die DB Regio AG/S-Bahn Stuttgart sorgen. Dazu ist der Kauf von drei neuen S-Bahn-Fahrzeugen vorgesehen. 

Wirtschaftsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler unterstrich, dass die Region mit der SSB AG eine erfahrene Partnerin gewinne. „Diese Zusammenarbeit ist ein Novum, aber sie ist naheliegend. Denn es gibt einen sehr engen wirtschaftlichen und sachlichen Zusammenhang zwischen den Stadtbahnprojekten und der S-Bahn-Verlängerung“, begründete er. 

Der Zeitplan ist ehrgeizig. Bereits Ende 2019 läuft die GVFG-Förderung des Bundes aus. Im Klartext heißt das: Bis dahin müssen auch die Schienenprojekte auf den Fildern fertiggestellt und abgerechnet sein, sonst stehen der Bundes- und der Landeszuschuss in den Sternen. „Der Terminplan ist sehr ambitioniert, aber noch zu schaffen“, sind sich die Partner einig. Wenn Planungen und Genehmigungen reibungslos laufen, werde der Baubeginn für Anfang 2016 angestrebt. 

Nach heutigem Planungsstand wird die S2- Verlängerung von Filderstadt-Bernhausen nach Neuhausen 92 Millionen Euro kosten. Von den Gesamtbaukosten übernimmt der Bund voraussichtlich 46 Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg wohl 15,3 Millionen Euro, der Verband Region Stuttgart 20,4 Millionen Euro sowie die kommunalen Partner 10,2 Millionen Euro, davon der Landkreis Esslingen 5,1 Millionen Euro, die Stadt Filderstadt und die Gemeinde Neuhausen jeweils 2,55 Millionen Euro. Hinzukommen rund 18 Millionen Euro für drei zusätzliche S-Bahn-Fahrzeuge, die zu Zweidrittel der Verband Region Stuttgart und zu einem Drittel die kommunalen Partner tragen. 

Die neue zweigleisige S-Bahn-Strecke verläuft ab Filderstadt zunächst im Tunnel bis zum Ortsausgang Bernhausen. Sie folgt dem Verlauf der alten Filderbahntrasse, unterquert die Bahnhofstraße in Sielmingen, wo ein neuer Haltepunkt entstehen soll. Das Werksgelände von Thyssen Krupp Aufzüge soll in einem Tunnel unterfahren werden. In Neuhausen ist ein zweiter neuer Haltepunkt geplant. Die S-Bahn wird barrierefrei erreichbar sein und im 30-Minuten-Takt fahren.

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