Windräder sollen wachsen können

Regionalversammlung: Balanceakt zwischen Förderung nachhaltiger Energien und regionalplanerischen Prinzipien

STUTTGART: Die Region unterstützt die Energiewende. Die Region steht aber auch zu regionalplanerischen Prinzipien. Wie schwierig dieser Spagat sein kann, hat die heutige Regionalversammlung gezeigt. Die Biogasanlage, die zwischen Nürtingen und Großbettlingen in einem regionalen Grünzug geplant ist, in dem grundsätzlich nicht gebaut werden darf, stieß auf Ablehnung. Nach Auffassung von 43 Regionalräten haben in diesem Bereich der Schutz von Landschaft und Natur einen höheren Stellenwert als die Förderung regenerativer Energien. Deshalb soll der Verband Region Stuttgart seine Klage beim Verwaltungsgericht Stuttgart aufrechterhalten. Dennoch haben die Regionalpolitiker ein klares Bekenntnis für die stärkere Nutzung von Windenergie in der Region Stuttgart abgegeben. Mit großer Mehrheit stimmten sie dem Entwurf einer Regionalplanänderung zu.

„Die Energiewende braucht Platz“, sagte Planungsdirektor Thomas Kiwitt. Und diesen bietet die Region an mit einer „Maximalkulisse“ von 96 möglichen Standorten exklusiv für große Windräder. Dort weht der Wind mit mindestens 5,3 Metern pro Sekunde in 100 Metern Höhe. „Selbst in unserer eher windschwachen Region haben wir damit zahlreiche potentielle Standorte mit guter Eignung“, so Kiwitt.

Von September bis November werden sich Gemeinden, Behörden und Naturschutzverbände zu diesen Standorten äußern können. Dabei erhofft sich die Region auch Aufschluss über wichtige Aspekte der Flugsicherung, des Landschafts- und Vogelschutzes, die im Entwurf noch nicht berücksichtigt werden konnten. Diese Erkenntnisse können dazu führen, dass sich die Zahl der Standorte verringern wird, doch Thomas Kiwitt ist sich sicher: „Am Ende wird es in der Region Stuttgart ausreichend Spielräume für die Nutzung von Windenergie geben.“ In diesen Vorranggebieten werden alle Pläne, die den Windrädern in die Quere kommen, nicht zulässig sein. Und deshalb hat sich der Verband Region Stuttgart vorab über seine Vorstellungen mit Kommunen, Behörden und Naturschutzverbänden ausgetauscht. „Die Inhalte dieses Entwurfs sind den Gemeinden schon bekannt. Sie sind Ergebnis einer Zusammenarbeit, die sich als außerordentlich konstruktiv erwies“, sagte Thomas Kiwitt.

Für dieses kooperative und zügige Vorgehen erntete der Planungsdirektor einhelliges Lob der Regionalpolitiker.

Beispiel gebend für die anderen Regionen im Land

„Von einem vorbildlichen Verfahren“ sprach Udo Goldmann (CDU). Ziel sei es, die Windkraft zu fördern und dabei den Freiraum im Auge zu behalten. Harald Raß (SPD) sieht die „Windkraft als zentrales Element der Energiewende“. Andreas Hesky (Freie Wähler) nannte den Entwurf „ein großartiges Zeichen“ – auch für die Industrie. Es lohne sich, für die Windenergie als eine Chance zur Energieerzeugung einzutreten.

Die geänderte Planung des Landes habe „bei der Regionalverwaltung zur Wiederentdeckung ihrer Lebensgeister in Sachen Wind geführt“, sagte Ingrid Grischtschenko (Grüne). Damit sei der Verband Region Stuttgart Beispiel gebend für die anderen Regionen im Land. Für Kai Buschmann (FDP) steht fest: „Die Landesregierung kann sich beim Verband Region Stuttgart bedanken, dass er Städten und Gemeinden mit dem Angebot geholfen hat.“

Christoph Ozasek (Linke) unterstrich: „Schön, dass wir heute so eine klare Perspektive erhalten.“ Und Ulrich Deuschle (Republikaner) kann sich „im Einzelfall ein Windrad vorstellen, aber nicht in Massen.“

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