Wissen vernetzen und besser erschließen

Region startet Projektphase, um die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern

STUTTGART: Der Wirtschaftsausschuss des Verbands Region Stuttgart hat gestern eine zweijährige Pilotphase gestartet, um den Hochschul- und Wissenschaftsstandort aufzuwerten. Diese Initiative der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) zielt in Kooperation mit den Hochschulen darauf, die Außendarstellung, die Zusammenarbeit unter den Hochschulen und den Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu verbessern. Für die Jahre 2011 und 2012 stehen dafür rund 200.000 Euro eines EU-Projekts zur Verfügung.

„Die Voraussetzungen sind gut“, machte Regionalpräsident Thomas S. Bopp deutlich. An den 18 Universitäten, Hochschulen und Akademien werden 54.000 Studierende ausgebildet. Hinzu kommen Institute von Fraunhofer, der Max-Planck-Gesellschaft, regionale Kompetenzzentren sowie Forschungs- und Entwicklungszentren hiesiger Unternehmen. Gleichwohl seien andere Regionen aufgrund einer intensiveren Vernetzung besser aufgestellt. „Wenn wir über die Zukunft der Region Stuttgart sprechen, dann müssen wir nicht nur im unternehmerischen Bereich spitze bleiben, sondern auch in Forschung und Lehre“, sagte Bopp. Ein weiterer Aspekt: die heutigen Studierenden sollen der Region Stuttgart als künftige Fachkräfte erhalten bleiben.

Der Geschäftsführer der WRS, Dr. Walter Rogg, ging auf das große Potenzial der regionalen Hochschullandschaft ein. „Unsere Universitäten haben Antworten und Lösungsmöglichkeiten für alle großen, aktuellen Menschheitsfragen. Dieses Wissen muss stärker vernetzt und für die Wirtschaft besser erschlossen werden.“ Erste Gespräche mit Vertretern aus der Wissenschaft hätten Interesse und die Bereitschaft zur Kooperation ergeben. Gemeinsam soll ein Konzept erarbeitet werden, um das Hochschul-Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit zu stärken. Eine neue Kontakt- und Informationsstelle (‚Science-to-Business-Center’) soll die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft forcieren. Darüber hinaus wird eine engere Verknüpfung innerhalb der Hochschulen, beispielsweise zwischen Forschung und Lehre angestrebt.

Werner Spec (CDU) begrüßte diese „ausgezeichnete Initiative“ einer „Vernetzung auf Augenhöhe“. Andrea Klöber (SPD) sagte, die Nachteile des Studienstandorts Region Stuttgart, wie hohe Mieten und Studiengebühren, könnten dadurch relativiert werden. Andreas Hesky (Freie Wähle) hob hervor: „Die Ressource Wissen, die unsere Region auszeichnet, müssen wir sichern und unterstützen“.

Michael Lateier (Grüne) bestätigte, dass der Weg zwischen den Hochschulen manchmal sehr weit sei. „Die WRS ist der richtige Ansprechpartner, um alle Hochschulen mitzunehmen.“ Andreas Knapp (FDP) sagte Fachhochschulen und Berufsakademien in der Region seien „ausgezeichnet“. Bei den Unis gebe es qualitative Unterschiede, auf die die Region allerdings keinen Einfluss habe. Ulrich Deuschle (Republikaner) befürwortet die Initiative, sieht darin allerdings eine schwierige Aufgabe.