Neckar bietet großes Potenzial für Gütertransport und Klimaschutz

Durch den Ausbau des Neckars für Schiffe mit einer Länge von 135m könnte eine erhöhte Transportkapazität von rund 25 Prozent geschaffen werden. Die Schleusenverlängerung könnte einen deutlichen Beitrag leisten zur Verringerung des CO2-Austosses.

Die langfristige Weiterentwicklung der Funktions- und Leistungsfähigkeit des Neckars als Transportweg ist erklärtes Ziel des Verbands Region Stuttgart. Welches Potenzial der Neckar für den Güterverkehr und die Reduktion des CO2-Austosses hat, wurde am Mittwoch in der Sitzung des Verkehrsausschusses erläutert.

Der Bericht über die Bundeswasserstraße Neckar bestärkt das Anliegen, die 27 Neckarschleusen zwischen Plochingen und Mannheim von derzeit 105m auf 140m zu verlängern und sanieren. Dadurch könnten moderne 135m Frachter den Neckar nutzen und gleichzeitig ein Viertel bis ein Drittel mehr Fracht transportieren. Der Ausbau der Schleusen sei unabdingbar, um die außerordentlich hohe wirtschaftliche Bedeutung des Neckars als Transportweg zu erhalten und zu stärken. Zudem gäbe es Potenzial für eine Verlagerung der Transporte auf die Wasserstraße. Dies würde zu einem deutlich niedrigeren CO2 Ausstoß führen und einen Beitrag zum Verkehrswendeziel des Landes leisten. Der Ausbau des Neckars für Schiffe mit einer Länge von 135m ist aktuell in der Abstimmung zwischen dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr und dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg. Im Mai 2022 haben sich der Verband Region Stuttgart gemeinsam mit der Landeshauptstadt, dem Landkreis Esslingen, der Stadt Plochingen und der IHK Region Stuttgart für die Verlängerung und Sanierung der Neckarschleusen beim zuständigen Bundesministerium starkgemacht.

Transportmengen und Zusammensetzung

2021 wurden nach Zahlen der Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung Neckar 5,1 Mio. Tonnen an Gütern auf dem Neckar transportiert. Bis September 2022 waren es trotz Niedrigwasserphasen 3,19 Millionen Tonnen. Beim Großteil der Transportgüter handelte es sich um Baustoffe und Erde (41 Prozent), gefolgt von Salz (18 Prozent) Metalle/Schrott sowie Landwirtschafts- und Futtermittel (jeweils 10 Prozent). Der Containerumschlag im Hafen Stuttgart betrug 2021 rund 18.000 TEU (Twenty-foot Equivalent Unit).

Sanierungs- und Baumaßnahmen

In den letzten fünf Jahren wurden rund 60 Mio. Euro in unterschiedliche Unterhaltungs- und Betriebssicherheitssmaßnahmen investiert. Jährlich sieht das Wasser- und Schifffahrtsamt Neckar 25 Mio. Euro für solche Maßnahmen vor. Im Hafen Stuttgart findet seit 1996 die Entwicklung eines Containerterminals statt. Dieser wurde kontinuierlich erweitert von zunächst 8.000qm auf künftig bis zu 62.000qm. Im Vorgriff auf eine Verlängerung der Neckarschleusen auf 135m wurden im Hafen Plochingen bereits einige Maßnahmen, ergriffen.


Neckar als Quelle für Energie

An jeder Staustufe des Neckars ist eine Wasserkraftanlage in Betrieb. In den Kraftwerken entlang des Neckars erarbeiten 54 Turbinensätze jährlich ca. 530 Mio. Kilowattstunden Strom. Damit können rund 330.000 Menschen mit Strom versorgt und rund 490.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Teile des erzeugten Stroms regeln den Wasserstand für die Neckarschifffahrt und werden zum Betrieb der Schleusen und Wehre eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten ist das Potenzial für Wasserkraft gestiegen. Dieses wird jedoch künftig durch die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit aufgebraucht. Auf den Hafengebäuden ist in Zukunft Fotovoltaik denkbar. Zudem sind mehrere Pilotprojekte für eine Wärmenutzung über Flusswasserwärmepumpen in Vorplanung.

Stimmen der Fraktionen

Rainer Ganske (CDU/ÖDP) betonte, dass der Wirtschaftsverkehr insgesamt dramatisch zugenommen habe und es weiterhin tun werde: „Trotzdem haben wir auf dem Neckar überproportional verloren.“ Mit längeren Fahrzeugen könne man mehr Güter transportieren. Er gab zu bedenken, dass der Ausbau jedoch Jahrzehnte dauern könnte. „Das Thema muss ganzheitlich in der Metropolregion angegangen werden“, so Ganske.

Für Heike Schiller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) böte die Nutzung des Neckars große Chancen: „Der CO2-Ausstoß wird auf dem Wasser um große Menge reduziert.“ Man müsse dem Thema die Bedeutung geben, die es verdiene. Schiller stellte die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Häfen, wenn der Ausbau nicht bald erfolge.

Wilfried Wallbrecht (Freie Wähler) sah die Thematik pragmatisch: „Vor dem aktuellen Hintergrund sollten wir mehrere Optionen für die Infrastruktur offenhalten und bestärken.“ Die Schleusenverlängerung sei eine Geldfrage und eine stärkere Unterstützung des Bundes notwendig, um in der Region auch auf dem Wasser wettbewerbsfähig zu bleiben.

Thomas Leipnitz (SPD) betonte, dass der Ausbau zügig erfolgen müsse: „Die Frachtzahlen sind beeindruckend und mit längeren Schiffen ausbaubar.“ Nur so könne man mehr Transporte von der Straße auf das Wasser bringen. Zusätzlich dürfe der Vorteil für die Energieversorgung nicht vernachlässigt werden.

Holger Dorn (AfD/FR) sah den Ausbau als einen Gewinn, auch wenn nur ein Teil des Potenzials zu heben sei. Er stellte die Frage danach, was das für die an den Häfen angrenzenden Straßen bedeute.

Gabriele Heise (FDP) bat, den Neckar umfassend zu betrachten: „Es kann nicht nur um den Schleusenausbau gehen.“ Man müsse weitere Faktoren wie beispielsweise die benötigten Flächen und Flussbegradigungen sowie deren zeitlichen Horizont bedenken.

Laut Michael Knödler (DIE LINKE/PIRAT) müsse man Verkehr von den Straßen auf das Wasser verlegen. Die Schiene sei aber noch deutlich klimafreundlicher.

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