Das S-Bahn-Netz wächst

Das S-Bahn-Netz ist unter der Regie des Verbands Region Stuttgart in den letzten Jahren konsequent ausgebaut worden. Nächster Schritt ist die Verlängerung der S-Bahn vom Flughafen  nach Neuhausen. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, welche S-Bahn-Verbindungen eines Tages sinnvoll sein könnten.

S-Bahn-Verlängerung von Filderstadt nach Neuhausen

Zwischen Filderstadt und Neuhausen wird eine neue Bahnstrecke gebaut, die dem Verlauf der alten Filderbahntrasse folgt. Im Zuge des ursprünglichen Planungsverfahrens, das 2016 startete, entstand Änderungs- und Anpassungsbearf an neue Rahmenbedingungen, die zu einer Projektverlängerung um vier Jahre führen. Nach dem aktuellen Stand der Planungen ist die Inbetriebnahme für Mitte 2026 vorgesehen. Hauptgrund für die Verzögerung ist ein Planänderungsverfahren infolge einer Vielzahl an Einwänden und Stellungnahmen. Neu berücksichtigt wird die Option, später auch einen Viertelstundentakt auf der Strecke fahren zu können. Hierfür gelten verschärfte Anforderungen beim Lärmschutz, die Unterlagen mussten daher erneut öffentlich ausgelegt werden. Der Erörterungstermin soll im Herbst 2019 stattfinden, der Planfeststellungsbeschluss wird im Laufe des nächsten Jahres erwartet. Weitere Änderungen beziehen sich vor allem auf aktuelle Anforderungen im Brandschutz, im Umwelt-, Arten- und Hochwasserschutz sowie auf neue Pläne für den Bahnhofvorplatz in Neuhausen. Darüber hinaus werden auf freiwilliger Basis Unterschottermatten verlegt, die den Lärm noch weiter reduzieren.

Die Kosten für das Gesamtprojekt steigen von bisher 125 auf voraussichtlich 209 Millionen Euro, großteils verursacht durch steigende Preise in der Baubranche. Eine neue Nutzen-Kosten-Untersuchung bestätigte die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Der Verband Region Stuttgart ist Aufgabenträger der S-Bahn und treibt ihren Ausbau in der Region voran. Die S2-Verlängerung nach Neuhausen auf den Fildern ist ein partnerschaftliches Projekt der Region, des Landkreises Esslingen, Filderstadts, der Gemeinde Neuhausen und der SSB. Letztere plant und baut das Infrastrukturvorhaben. Für die Region steigt der Finanzierungsanteil von 27,8 Millionen auf bis zu 53,2 Millionen Euro.

S-Bahn nach Göppingen

Der Kreis Göppingen ist Teil der Region Stuttgart, aber noch nicht Gesellschafter im VVS. Der erste Schritt, damit in den Zügen im Landkreis Göppingen der VVS-Tarif gilt, erfolgte am 1. Januar 2014.

Eine S-Bahn Verlängerung in den Landkreis Göppingen wurde in den vergangen Jahren intensiv untersucht. Im Jahr 2012 zeigte die DB Netz AG auf, dass eine S-Bahn mit unterschiedlichen Endpunkten im Landkreis Göppingen (Göppingen, Süßen oder Geislingen) betrieblich möglich ist. Es wurde ein Kombi-Modell ins Auge gefasst, das stündlich einen Regionalzug und eine S-Bahn vorsieht. Die Ergebnisse einer Nutzen-Kosten-Untersuchung wurden im Juli 2014 in Göppingen vorgestellt. Danach übersteigen die notwendigen Investitionen den volkswirtschaftlichen Nutzen. Gründe dafür sind das heute schon gute Angebot auf der Schiene und die demografische Entwicklung.

Planungen sind nie statisch. Bei sich ändernden Randbedingungen ist immer wieder ein Realitätscheck erforderlich. Gemeinsam mit dem Land und dem Landkreis Göppingen sollen auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse neue Chancen für attraktive Verbindungen im Landkreis Göppingen beraten werden.

Der Landkreis Göppingen hat Ende 2014 Verhandlungen mit dem Land aufgenommen mit dem Ziel, eine halbstündige Anbindung von Geislingen ab 2019 zu erreichen und das Angebot so auszuweiten, dass auch am Wochenende und in den Nachtstunden ein durchgängiges und vertaktetes Angebot mit dem Regionalverkehr möglich ist. Der Kreistag des Landkreises Göppingen hat das Gesamtkonzept am 11. Dezember 2015 abschließend beraten und einstimmig beschlossen.

Barrierefrei mobil

Der Verband Region Stuttgart und die Deutsche Bahn AG haben in den vergangenen Jahren viel für den barrierefreien Ausbau erreicht. An 18 Stationen wurde im Zuge des S-Bahn-Ausbaus die Barrierefreiheit verwirklicht mit: stufenfreiem Bahnsteigzugang, angepasster Bahnsteighöhe und tastbaren Leitstreifen im Bahnsteigpflaster, die blinden und sehbehinderten Fahrgästen die Orientierung ermöglichen. Es handelt sich um die S-Bahn-Stationen: Neckarpark, Malmsheim, Renningen, Wernau, Wendlingen (Neckar), Ötlingen, Kirchheim (Teck), Benningen (Neckar), Marbach (Neckar), Erdmannhausen, Kirchberg (Murr), Burgstall (Murr), Böblingen, Sindelfingen, Maichingen, Maichingen Nord, Magstadt und Renningen Süd.

An anderen Stationen wie z.B. in Bad Cannstatt wurden darüber hinaus Aufzüge und Rampen eingebaut, die den S-Bahnsteig barrierefrei zugänglich machen. Reisende im Rollstuhl sowie Fahrgäste mit Gepäck oder Kinderwagen profitieren davon. Insgesamt sollen bis Ende 2019 alle S-Bahnsteige (Ausnahme Höfingen) stufenfrei erreichbar sein. Auch die S-Bahn-Station Feuerbach, die in die Bauarbeiten für den neuen Bahnknoten Stuttgart einbezogen ist, wird barrierefrei. Der Verband Region Stuttgart trägt dabei die Kosten für die komplexen Planungen und finanziert die Baukosten mit.

Grundsätzlich gilt: An 51 der insgesamt 83 Stationen ist der Einstieg in die S-Bahn an allen S-Bahnsteigen ebenerdig möglich. Damit können nach Angaben der DB Station & Service 72% der Reisenden barrierefrei ein bzw. aussteigen. In Zusammenhang damit, dass an S-Bahnsteigen auch Regionalzüge halten ist an 32 S-Bahnsteigen der stufenfreie Einstieg in die S-Bahn noch nicht möglich. Es wird eine große finanzielle und planerische Herausforderung für die nächsten Jahre sein, für diese Stationen technische, genehmigungsfähige und finanzierbare Lösungen zu finden. Der Verband Region Stuttgart und die DB haben gemeinsam die fünf dringlichsten Stationen herausgearbeitet, an denen sehr viele Fahrgäste unterwegs sind und/oder an denen bedingt durch die Kurvenlage des Gleises besonders schwierige Einstiegsverhältnisse herrschen, sodass der Ausbau kontinuierlich vorangehen kann. 

Weitere Überlegungen zum Ausbau des S-Bahn-Netzes

Die Verlängerung der S5 von Bietigheim-Bissingen nach Vaihingen/Enz (Fernbahnhof) ist technisch möglich und rechnet sich. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die der Verband Region Stuttgart, Bietigheim-Bissingen, Vaihingen an der Enz, Sachsenheim sowie Sersheim in Auftrag gegeben haben.

Noch befindet sich das Projekt in einer sehr frühen Phase, doch eine vereinfachte Nutzen-Kosten-Untersuchung hat bereits jetzt gezeigt: die bevorzugte Variante bis Vaihingen/Enz ist wirtschaftlich gut unterwegs. Eine mögliche Verlängerung bis Vaihingen/Enz (Stadt) oder Enzweihingen würde hohe Investitionskosten nach sich ziehen und wird deshalb nicht weiterverfolgt. Die vom Gutachter empfohlene Weiterführung der S-Bahn nach Mühlacker schnitt gut ab, soll aber zunächst zurückgestellt werden.

Zwischenzeitlich haben sich allerdings die Rahmenbedingungen durch den ÖPNV-Pakt 2025 geändert. Darin verständigten sich das Land, der Verband Region Stuttgart, die Landeshauptstadt und die VVS-Landkreise darauf, das ÖPNV-Angebot in der Region Stuttgart zu verbessern. Das Land bringt sich mit neuen Metropolexpress-Linien ein, die nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 an den Start gehen sollen. Dann sollen auf den Linienästen Pforzheim, Heilbronn, Schwäbisch Hall, Aalen, Geislingen, Tübingen und Horb alle 30-Minuten Metropolexpresszüge in einem verlässlichen Takt fahren. Daraus ergibt sich eine deutliche Angebotsverbesserung, innerhalb und außerhalb der Region Stuttgart. Wie das Konzept umgesetzt wird, hängt maßgeblich von den Ergebnissen der Ausschreibung der Landesverkehre ab.

Für eine mögliche S-Bahn-Verlängerung nach Vaihingen/Enz bedeutet das: abwarten, bis diese Ergebnisse vorliegen.

Detaillierte Planungen zu einer möglichen S-Bahn von Bietigheim-Bissingen nach Kirchheim/Neckar werden zunächst zurückgestellt. Dieser Bereich der Region ist bereits heute gut mit Regionalzügen  zu erreichen. Bevor weitere Schritte folgen, möchte man die Untersuchungen zum Regionalverkehrsplan abwarten. Sie werden Aufschluss über das Verkehrsaufkommen und die Verkehrsströme geben.