Bauarbeiten am S-Bahnnetz (2)

Das S-Bahn-Netz wächst

Das S-Bahn-Netz ist unter der Regie des Verbands Region Stuttgart in den letzten Jahren konsequent ausgebaut worden. Nächster Schritt ist die Verlängerung der S-Bahn vom Flughafen  nach Neuhausen. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, welche S-Bahn-Verbindungen eines Tages sinnvoll sein könnten.

S-Bahn-Verlängerung von Filderstadt nach Neuhausen

Im Jahr 2013 sind die verbindlichen Planungen für die S-Bahn-Verlängerung vom Flughafen über Filderstadt nach Neuhausen bei der SSB AG angelaufen. Dieses Projekt stellt zusammen mit der Verlängerung der Stadtbahnlinie U6 vom Fasanenhof zur Messe planerisch und finanziell ein Gesamtpaket dar.

Nachdem der Verband Region Stuttgart, der Landkreis Esslingen, Filderstadt und Neuhausen die vertraglichen Grundlagen Anfang 2014 unterzeichneten, konkretisierte die SSB AG die Planungen für die 3,9 Kilometer lange Strecke. Derzeit belaufen sich Kosten für die S-Bahn-Verlängerung auf rund 125 Millionen Euro und damit gut 33 Millionen Euro mehr als zum Planungsstand 2009. Trotz dieser Kostensteigerung ist der gesamtwirtschaftliche Nutzen gewährleistet.

Ein positives Signal gibt es in Bezug auf die Bundesförderung: So haben Bund und Länder im September 2015 vereinbart, die Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) im Rahmen der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen ungekürzt über 2019 hinaus fortzuführen. Das Finanzierungsrisiko aus einer möglicherweise im Jahr 2019 auslaufenden Bundesförderung besteht somit nicht mehr. Damit hat sich der Beschluss, den die Projektpartner Ende 2014 getroffen hatten, trotz eines nicht unerheblichen Risikos die Planfeststellung einzuleiten und den Antrag zum GVFG-Bundesprogramm für das Projekt zu stellen, als absolut richtig herausgestellt. Offen ist derzeit noch die konkrete Umsetzung der Weiterführung des Bundesprogramms. Hier ist der Bund gefordert, zügig die notwendigen Weichen zu stellen.

Die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens ist Mitte 2016 vorgesehen. Nach Vorliegen des Planfeststellungsbeschlusses und der Förderzusage des Bundes können die Gremien der Partner voraussichtlich Mitte 2018 den eigentlichen Bau des Projektes beschließen. Nach Ausschreibung und Vergabe würde der Baubeginn dann Ende 2018 erfolgen. Es wird mit einer Bauzeit von 3,5 Jahren gerechnet. Die Betriebsaufnahme der S-Bahn nach Neuhausen ist dann im Fahrplanjahr 2021/2022 geplant.

Zwischen Filderstadt und Neuhausen wird eine neue Bahnstrecke gebaut. Diese folgt dem Verlauf der alten Filderbahntrasse. Die Bahnsteige an den neuen Haltepunkten Sielmingen und Neuhausen werden dem S-Bahn-Standard entsprechen und einen barrierefreien Zugang in die S-Bahn-Züge gewährleisten. Das Betriebskonzept sieht einen 30-Minuten-Takt von Schorndorf über Filderstadt nach Neuhausen vor.

S-Bahn nach Göppingen

Der Kreis Göppingen ist Teil der Region Stuttgart, aber noch nicht Gesellschafter im VVS. Der erste Schritt, damit in den Zügen im Landkreis Göppingen der VVS-Tarif gilt, erfolgte am 1. Januar 2014.

Eine S-Bahn Verlängerung in den Landkreis Göppingen wurde in den vergangen Jahren intensiv untersucht. Im Jahr 2012 zeigte die DB Netz AG auf, dass eine S-Bahn mit unterschiedlichen Endpunkten im Landkreis Göppingen (Göppingen, Süßen oder Geislingen) betrieblich möglich ist. Es wurde ein Kombi-Modell ins Auge gefasst, das stündlich einen Regionalzug und eine S-Bahn vorsieht. Die Ergebnisse einer Nutzen-Kosten-Untersuchung wurden im Juli 2014 in Göppingen vorgestellt. Danach übersteigen die notwendigen Investitionen den volkswirtschaftlichen Nutzen. Gründe dafür sind das heute schon gute Angebot auf der Schiene und die demografische Entwicklung.

Planungen sind nie statisch. Bei sich ändernden Randbedingungen ist immer wieder ein Realitätscheck erforderlich. Gemeinsam mit dem Land und dem Landkreis Göppingen sollen auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse neue Chancen für attraktive Verbindungen im Landkreis Göppingen beraten werden.

Der Landkreis Göppingen hat Ende 2014 Verhandlungen mit dem Land aufgenommen mit dem Ziel, eine halbstündige Anbindung von Geislingen ab 2019 zu erreichen und das Angebot so auszuweiten, dass auch am Wochenende und in den Nachtstunden ein durchgängiges und vertaktetes Angebot mit dem Regionalverkehr möglich ist. Der Kreistag des Landkreises Göppingen hat das Gesamtkonzept am 11. Dezember 2015 abschließend beraten und einstimmig beschlossen.

Barrierefrei mobil

Der Verband Region Stuttgart und die Deutsche Bahn AG haben in den vergangenen Jahren viel für den barrierefreien Ausbau erreicht. An 18 Stationen wurde im Zuge des S-Bahn-Ausbaus die Barrierefreiheit verwirklicht mit: stufenfreiem Bahnsteigzugang, angepasster Bahnsteighöhe und tastbaren Leitstreifen im Bahnsteigpflaster, die blinden und sehbehinderten Fahrgästen die Orientierung ermöglichen. Es handelt sich um die S-Bahn-Stationen: Neckarpark, Malmsheim, Renningen, Wernau, Wendlingen (Neckar), Ötlingen, Kirchheim (Teck), Benningen (Neckar), Marbach (Neckar), Erdmannhausen, Kirchberg (Murr), Burgstall (Murr), Böblingen, Sindelfingen, Maichingen, Maichingen Nord, Magstadt und Renningen Süd.

An anderen Stationen wie z.B. in Bad Cannstatt wurden darüber hinaus Aufzüge und Rampen eingebaut, die den S-Bahnsteig barrierefrei zugänglich machen. Reisende im Rollstuhl sowie Fahrgäste mit Gepäck oder Kinderwagen profitieren davon. Insgesamt sollen bis Ende 2019 alle S-Bahnsteige (Ausnahme Höfingen) stufenfrei erreichbar sein. Auch die S-Bahn-Station Feuerbach, die in die Bauarbeiten für den neuen Bahnknoten Stuttgart einbezogen ist, wird barrierefrei. Der Verband Region Stuttgart trägt dabei die Kosten für die komplexen Planungen und finanziert die Baukosten mit.

Grundsätzlich gilt: An 51 der insgesamt 83 Stationen ist der Einstieg in die S-Bahn an allen S-Bahnsteigen ebenerdig möglich. Damit können nach Angaben der DB Station & Service 72% der Reisenden barrierefrei ein bzw. aussteigen. In Zusammenhang damit, dass an S-Bahnsteigen auch Regionalzüge halten ist an 32 S-Bahnsteigen der stufenfreie Einstieg in die S-Bahn noch nicht möglich. Es wird eine große finanzielle und planerische Herausforderung für die nächsten Jahre sein, für diese Stationen technische, genehmigungsfähige und finanzierbare Lösungen zu finden. Der Verband Region Stuttgart und die DB haben gemeinsam die fünf dringlichsten Stationen herausgearbeitet, an denen sehr viele Fahrgäste unterwegs sind und/oder an denen bedingt durch die Kurvenlage des Gleises besonders schwierige Einstiegsverhältnisse herrschen, sodass der Ausbau kontinuierlich vorangehen kann. 

Weitere Überlegungen zum Ausbau des S-Bahn-Netzes

Die Verlängerung der S5 von Bietigheim-Bissingen nach Vaihingen/Enz (Fernbahnhof) ist technisch möglich und rechnet sich. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die der Verband Region Stuttgart, Bietigheim-Bissingen, Vaihingen an der Enz, Sachsenheim sowie Sersheim in Auftrag gegeben haben.

Noch befindet sich das Projekt in einer sehr frühen Phase, doch eine vereinfachte Nutzen-Kosten-Untersuchung hat bereits jetzt gezeigt: die bevorzugte Variante bis Vaihingen/Enz ist wirtschaftlich gut unterwegs. Eine mögliche Verlängerung bis Vaihingen/Enz (Stadt) oder Enzweihingen würde hohe Investitionskosten nach sich ziehen und wird deshalb nicht weiterverfolgt. Die vom Gutachter empfohlene Weiterführung der S-Bahn nach Mühlacker schnitt gut ab, soll aber zunächst zurückgestellt werden.

Zwischenzeitlich haben sich allerdings die Rahmenbedingungen durch den ÖPNV-Pakt 2025 geändert. Darin verständigten sich das Land, der Verband Region Stuttgart, die Landeshauptstadt und die VVS-Landkreise darauf, das ÖPNV-Angebot in der Region Stuttgart zu verbessern. Das Land bringt sich mit neuen Metropolexpress-Linien ein, die nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 an den Start gehen sollen. Dann sollen auf den Linienästen Pforzheim, Heilbronn, Schwäbisch Hall, Aalen, Geislingen, Tübingen und Horb alle 30-Minuten Metropolexpresszüge in einem verlässlichen Takt fahren. Daraus ergibt sich eine deutliche Angebotsverbesserung, innerhalb und außerhalb der Region Stuttgart. Wie das Konzept umgesetzt wird, hängt maßgeblich von den Ergebnissen der Ausschreibung der Landesverkehre ab.

Für eine mögliche S-Bahn-Verlängerung nach Vaihingen/Enz bedeutet das: abwarten, bis diese Ergebnisse vorliegen.

Detaillierte Planungen zu einer möglichen S-Bahn von Bietigheim-Bissingen nach Kirchheim/Neckar werden zunächst zurückgestellt. Dieser Bereich der Region ist bereits heute gut mit Regionalzügen  zu erreichen. Bevor weitere Schritte folgen, möchte man die Untersuchungen zum Regionalverkehrsplan abwarten. Sie werden Aufschluss über das Verkehrsaufkommen und die Verkehrsströme geben.