Verbesserungen im S-Bahn-Angebot
Seitdem der Verband Region Stuttgart 1996 die Zuständigkeit für die S-Bahn übernommen, hat er das Angebot kontinuierlich verbessert.
Die wichtigsten Etappen in drei Zeitstrahl-Zügen:
1996-2009: Aufbau des regionalen S-Bahn-Systems, Netzerweiterungen und Modernisierung des Angebots
Die Region übernimmt die Verantwortung
Der Verband Region Stuttgart wird Aufgabenträger der S-Bahn. Er bestellt die Verkehrsleistungen, finanziert das Angebot und entwickelt die S-Bahn strategisch weiter. Damit wird die S-Bahn erstmals konsequent als regionales Gesamtsystem gesteuert. Als erste Maßnahme wird ein 15-Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit am Morgen eingeführt.
Die S-Bahn wird rot
Die bisher hellgrau und orangefarbenen Fahrzeuge der Baureihe 420 werden schrittweise, in Verkehrsrot umlackiert und an das neue einheitliche Erscheinungsbild der Deutschen Bahn angepasst. Die eigenständige Farbgebung der S-Bahn entfällt. Gleichzeitig gewinnt die Region als Aufgabenträger an Einfluss auf Angebot und Entwicklung des Systems.
Einführung der Baureihe 423
Mit der Baureihe 423 startet eine neue Fahrzeuggeneration. Die Fahrzeuge sind durchgängig begehbar, klimatisiert und bestehen als Leichtbaufahrzeuge größtenteils aus Aluminium. Moderne Antriebstechnik mit Energierückspeisung verbessert Effizienz und Fahrleistung. Die rund 70 Meter langen Triebzüge erreichen 140 km/h und sind damit schneller als die Baureihe 420 mit 120 km/h. Zudem lassen sie sich im Betrieb einfacher zu längeren Einheiten kuppeln. Breite, automatisch gesteuerte Türen ermöglichen vor allem einen sicheren und komfortableren Fahrgastwechsel als bei der älteren Baureihe 420, bei der die Türen nach Freigabe durch das Fahrpersonal noch manuell geöffnet werden. Fahrgastinformationen erfolgen erstmals über LCD-Anzeigen in der S-Bahn.
Verlängerung der S2 nach Filderstadt
Im September 2001 wird die Verlängerung der S2 vom Flughafen nach Filderstadt-Bernhausen eröffnet. Damit erhält Bernhausen nach Jahrzehnten wieder einen Schienenanschluss. Mit der neuen Strecke einschließlich des Tunnels unter dem Flughafen rückt die südliche Filderebene enger an Stuttgart heran und wird zugleich direkt an den Flughafen angebunden – ein wichtiger infrastruktureller Schritt für die regionale Vernetzung. Der Flughafen selbst ist bereits seit 1993 aus Richtung Stuttgart an das S-Bahn-Netz angeschlossen.
Der 15-Minuten-Takt wird ausgeweitet
Bereits Mitte der 1990er Jahre wird mit Übernahme der S-Bahn-Trägerschaft des Verbands Region Stuttgart erstmals ein 15-Minuten-Takt eingeführt – zunächst als gezielte Verdichtung in der morgendlichen Hauptverkehrszeit zwischen 6:00 und 8:00 Uhr. Ab 2003/04 wird dieses Angebot auf die Hauptverkehrszeit am Nachmittag ausgeweitet. Damit etabliert sich der dichtere Takt schrittweise im Kernbereich des Netzes. In den folgenden Jahren wird er weiter ausgedehnt und bildet die Grundlage für den späteren flächendeckenden Ausbau.
Neue Station im Neckarpark
Nach dem Spatenstich 2003 wird im Jahr 2005 die neue Station „Gottlieb-Daimler-Stadion“ eröffnet. Mit dem Ausbau im Bereich Neckarpark wird ein wichtiger Veranstaltungs- und Entwicklungsstandort besser an die S-Bahn angebunden. Das zeigt bereits früh, wie eng Verkehrsentwicklung und Stadtentwicklung in der Region Stuttgart zusammenhängen.
Zweigleisiger Ausbau Renningen–Malmsheim
Mit der Fertigstellung des zweigleisigen Ausbaus im Abschnitt Renningen–Malmsheim wird ein zentraler Engpass beseitigt. Die Maßnahme erhöht die Leistungsfähigkeit des Netzes und schafft eine wichtige Voraussetzung für den späteren S-Bahn-Betrieb auf der Strecke von S6 und S60. Solche Infrastrukturmaßnahmen sind weniger sichtbar als neue Strecken, aber entscheidend dafür, Takte zu verdichten und den Betrieb stabil zu halten.
Verlängerung der S1 nach Kirchheim (Teck)
Mit der Verlängerung der S-Bahnstrecke von Plochingen nach Kirchheim unter Teck wächst die S-Bahn weiter in die Region hinein. Die bestehende Trasse wird dafür ausgebaut und elektrifiziert. Die Erreichbarkeit der Region nach Osten und Süden wird verbessert, Wohn- und Arbeitsstandorte werden enger an Stuttgart und die übrige Region angebunden.
2010–2021: Große Ausbauprojekte, mehr Kapazität und Weichenstellung für den digitalen Betrieb
Zweigleisiger Ausbau im Freiberg-Benningen
Mit dem zweigleisigen Ausbau im Abschnitt zwischen Freiberg am Neckar und Benningen am Neckar wird ein weiterer zentraler Engpass, diesmal im Neckartal, beseitigt. Die Maßnahme erhöht die Leistungsfähigkeit der Strecke und bildet eine wichtige Voraussetzung für den stabilen S-Bahn-Betrieb und den Ringschluss zwischen Marbach und Backnang.
S60 schafft neue Querverbindung und schließt den Ring
Mit der S60 werden Böblingen, Sindelfingen und Renningen erstmals direkt miteinander verbunden. Dafür wird die Strecke der ehemaligen Rankbachbahn für den Personenverkehr reaktiviert und für den S-Bahn-Betrieb ausgebaut: 2010 startet der Betrieb von Böblingen bis Maichingen, 2012 folgt dann die Verlängerung bis Renningen. Damit wird der Ringschluss im Netz vollzogen – mit Direktfahrten ohne Umweg über die Innenstadt.
Verlängerung der S4 nach Backnang
Mit der S4 wird der Nordosten der Region besser angebunden. Die Verlängerung von Marbach nach Backnang schließt eine zentrale Lücke und vollendet einen zweiten Ringschluss im Netz: Die knapp 14 Kilometer lange Strecke wurde elektrifiziert, für den S-Bahn-Betrieb ausgebaut und im Dezember 2012 in Betrieb genommen wurde. Das S-Bahnnetz entwickelt sich von einem ausschließlich radialen System über die Stuttgarter Innenstadt zu einem dichteren Netz mit ergänzten Querverbindungen.
Nachtverkehr wird zum festen Bestandteil der S-Bahn
Mit der Einführung der Nacht-S-Bahn 2012 ersetzt die Region die bisherigen Nachtbusse durch ein leistungsfähigeres Angebot auf der Schiene. Zunächst verkehren einzelne Züge in den Wochenendnächten. Seit 2016 wird daraus ein durchgängiges System: Die S-Bahn fährt nun im Stundentakt durch die Nacht und macht die Region auch nachts zuverlässig erreichbar.
Neue Fahrzeuge der Baureihe 430
Mit der Baureihe 430 beginnt die nächste große Modernisierung der Flotte. Mehr Platz und noch bequemere Sitze, barriereärmerer Zugang durch Schiebetritt, Monitore mit Anschlussinformationen und mehr Sicherheit durch Videokameras verbessern den Komfort der S-Bahn deutlich und schaffen die Voraussetzung für weiteres Wachstum.
Start des neuen Verkehrsvertrags
Mit dem Inkrafttreten des Verkehrsvertrags wird der Betrieb der S-Bahn Stuttgart grundlegend neu organisiert. 2009 wurde der Vertrag mit der DB Regio AG als Betreiber der S-Bahn Stuttgart geschlossen, nachdem der Verband 1996 zunächst ein gewachsenes Geflecht unterschiedlicher Vereinbarungen mit der Deutschen Bahn übernommen hatte. Erstmals werden Leistungen, Qualitätsstandards und Finanzierung umfassend vertraglich geregelt. Der Verband Region Stuttgart stärkt damit seine Rolle als Aufgabenträger und schafft die Basis für Angebotsverbesserungen, dichtere Takte und den Ausbau der Kapazitäten.
ETCS, neue Fahrzeuge und verlängerte Perspektive bis 2032
Die Regionalversammlung beschließt die Einführung von ETCS (European Train Control System) – einem digitalen Zugbeeinflussungssystem, das langfristig einen dichteren und stabileren Betrieb ermöglicht – sowie die Verlängerung des Verkehrsvertrags bis 2032 und die Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge. Damit wird in einer Phase grundlegender Umbrüche Planungssicherheit geschaffen. Gleichzeitig beginnt die nächste Entwicklungsstufe: mehr Kapazität und eine strategische Ausrichtung im Kontext des Digitalen Schienenknotens. Die dafür notwendige digitale Technik wird seitdem schrittweise in Fahrzeuge und Infrastruktur eingebaut und erprobt; ihre Wirkung entfaltet sie erst im Zuge der Inbetriebnahme des Digitalen Knotens Stuttgart (DKS) im Rahmen des Projekts Stuttgart 21.
Der 15-Minuten-Takt wird zum Standard im Alltag
Was über viele Jahre schrittweise aufgebaut wurde, wird zum neuen Normalzustand: Die S-Bahn Stuttgart verkehrt werktags durchgängig von 6:00 bis 20:30 Uhr im 15-Minuten-Takt. Mit der Ausweitung der dichteren Taktung auf den Samstag wird auch der Freizeit- und Einkaufsverkehr am Wochenende systematisch gestärkt. Die zusätzlich beschafften Züge ermöglichen außerdem den verstärkten Einsatz von Langzügen und somit mehr Kapazitäten ohne den Ausbau von Infrastruktur.
Seit 2021: Neue Strecken, Umbau des Bahnknotens und neues S-Bahn-System
Barrierefreier Zugang zum Bahnsteig an allen Stationen erreicht
Seit Juni 2021 sind alle S-Bahn-Bahnsteige in der Region Stuttgart stufenfrei erreichbar. Damit wird ein zentrales Ziel des Ausbaus erreicht: Die S-Bahn ist erstmals flächendeckend ohne Treppen zugänglich. In den folgenden Jahren wird der Ausbau weitergeführt: Bahnsteige werden auf 96 cm erhöht und für einen niveaugleichen Einstieg angepasst. So entsteht schrittweise ein vollständig barrierefreies S-Bahn-Netz.
Neues Außendesign der Fahrzeuge
Mit dem Redesign erhalten die Züge zunächst ein neues äußeres Erscheinungsbild. Farbige Markierungen machen Einstiegsbereiche für Fahrrad, Mehrzweckabteile und 1. Klasse besser sichtbar. Das Design dient somit auch dazu, die Orientierung zu verbessern und Haltezeiten zu verkürzen. Nach und nach sind immer mehr Fahrzeuge in Lichtgrau mit blauen und gelben Funktionsfarben im Einsatz und lösen die signalroten S-Bahnen ab. Das neue Design greift die Idee eines hellen Grundtons mit farblichen Markierungen wieder auf und interpretiert damit zentrale Gestaltungselemente der frühen S-Bahn-Generation neu.
Neues Innendesign und mehr Komfort
Seit März 2025 sind die ersten Fahrzeuge mit neuem Innen- und Außendesign im Netz unterwegs. Die Raumaufteilung und Ausstattung in den S-Bahnen werden umfassend modernisiert. Mehr Platz in den Mehrzweckbereichen, bessere Bedingungen für Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und Fahrräder, neue Monitore mit Auslastungsinformationen und Steckdosen in allen Zügen verbessern Komfort und Nutzbarkeit deutlich.
Einweihung des Bahnsteigs an Gleis 1a in Feuerbach
Der neue Bahnsteig in Stuttgart-Feuerbach bildet die Grundlage für den Betrieb der S-Bahn-Linie S62, die seit September 2025 während der Hauptverkehrszeiten hier enden und wenden kann. Die Expresslinie zwischen Weil der Stadt und Feuerbach entlastet die S6 und S60 und erweitert die Umsteigemöglichkeiten zwischen S-Bahn und Stadtbahn in Feuerbach durch zusätzliche Verbindungen. Gerade während der Einschränkungen durch die Stammstreckensperrung sorgt die Maßnahme für mehr Flexibilität und Zuverlässigkeit im System.
Transformation zum Digitalen Schienenknoten
Das digitale Zugsteuerungssystem European Train Control System (ETCS), das den S-Bahn-Verkehr künftig leistungsfähiger, effizienter und zuverlässiger machen soll, geht in die Umsetzung. Dafür erfolgen seit 2026 mit den umgerüsteten Fahrzeugen Testfahrten für den digitalen Zugbetrieb auf der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Die Fahrzeuge werden schrittweise im laufenden Betrieb umgerüstet – ein komplexes Vorhaben, das neue Maßstäbe für die Digitalisierung von S-Bahn-Systemen setzt: Nirgendwo sonst wurde bislang eine komplette Flotte im Zusammenspiel mit hochautomatisierter Steuerung umgebaut. Parallel dazu wird die Leit- und Sicherungstechnik im gesamten Bahnknoten digitalisiert und schafft die Grundlage für mehr Kapazität im S-Bahn-Verkehr.
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