Im Jahr 2025 musste die S-Bahn Stuttgart erneut diverse Defizite im Bereich Pünktlichkeit verzeichnen. Die erhöhten Verspätungen sind größtenteils auf Störungen und Bauarbeiten auf der Strecke zurückzuführen. Im gestrigen Verkehrsausschuss blickte der VRS, Auftraggeber und Finanzierer des S-Bahnverkehrs in der Region, auf das vergangene Jahr zurück und diskutierte Strategien für eine weitere Verbesserung des Streckennetzes.
Pünktlichkeit erreicht einen neuen Tiefpunkt
2025 verspätete sich im Schnitt jede dritte S-Bahn um mindestens drei Minuten; in der Hauptverkehrszeit war es sogar fast jeder zweite Zug. Die Quote für eine Verspätung von weniger als sechs Minuten lag somit bei nur rund 85 Prozent.
Umfangreiche Bautätigkeiten führten auch im Jahr 2025 dazu, dass S-Bahnen nicht wie geplant fahren konnten. Auch die Anzahl ungeplanter Ausfälle durch infrastrukturelle Störungen oder Einwirkungen durch Dritte hat sich deutlich erhöht.
„2025 war das Rekordjahr an Baustellen mit entsprechend reduziertem Fahrplan, ein Jahr, in dem sich die überalterte Infrastruktur deutlich als störanfällig gezeigt hat, und in der Folge ein Jahr mit schlechter Pünktlichkeit. 2025 war in Bezug auf Verlässlichkeit kein gutes Jahr für die S-Bahn. Ich kann alle Fahrgäste verstehen, die darüber sehr verärgert sind“, betonte Dr. Matthias Glaub, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn.
Die DB Regio hat allerdings große Anstrengungen unternommen, um selbstverursachte ungeplante Ausfälle gering zu halten. „Die schwierige Situation trifft nicht nur unsere Fahrgäste, sondern fordert auch von der gesamten Mannschaft der S-Bahn enorme Anstrengungen. Wir geben alles dafür, die Zuverlässigkeit der S-Bahn alltäglich zu verbessern. Zugausfälle, die wir selbst verschulden, haben wir binnen eines Jahres um 40 Prozent reduziert. Dazu sind wir im vergangenen Jahr sehr stabil zum dichteren Takt am Samstag und abends unter der Woche zurückgekehrt“, so Glaub.
Im Bereich der Personalgewinnung konnten Erfolge verzeichnet werden. Das hatte zur Folge, dass personalbedingte Ausfälle um rund 70 Prozent reduziert werden konnten. Außerdem gab es im Jahr 2025 im Gegensatz zum Vorjahr keine Ausfälle durch Streiks. Die Gesamtzahl ungeplanter Ausfälle hat sich mit rund 3,3 Prozent der bestellten Zugkilometer-Leistung im Vergleich zum Jahr 2024 fast halbiert. Im Bereich Schienenersatzverkehr hat der Verband Region Stuttgart gemeinsam mit DB Regio hohe Qualitätsstandards vereinbart, die sich jedoch bislang nur unzureichend in der Umsetzung niederschlagen.
Fahrgastbewertung zu Sicherheit und Sauberkeit über Zielwert
Im Einklang mit der Statistik schnitt die Bewertung der Fahrgäste zur Pünktlichkeit schlechter ab als noch im Vorjahr. Die Kriterien Sauberkeit, Sicherheit im Zug und Fahrgastinformation blieben hingegen auf unverändertem Niveau und somit sogar über dem angestrebten Wert. Die Information bei Unregelmäßigkeiten und Verspätungen wurde marginal besser bewertet als 2024.
Stimmen der Fraktionen
| CDU/ÖDP | Hartmut Holzwarth sprach zunächst Dr. Matthias Glaub große Anerkennung aus. Dieser habe sich anderthalb Jahre lang erfolgreich für die S-Bahn eingesetzt, bevor er nun wechsle. Die Bilanz für das Jahr 2025 sei für die Fahrgäste jedoch „schlichtweg ernüchternd“. Besonders die Pünktlichkeit habe einen dramatischen Tiefpunkt erreicht – „ein Zustand, den man nicht als Dauerzustand akzeptieren kann“. Holzwarth betonte, dass man deshalb weiter konsequent am Ball bleiben müsse. Seine Fraktion habe mehrere Anträge zu Sauberkeit und Sicherheit eingebracht. Man müsse sich auf die Faktoren konzentrieren, die man selbst beeinflussen könne: „Sauberkeit, Sicherheit und Information müssen wieder auf ein deutlich höheres Niveau gebracht werden.“ Mit Blick auf den Rems-Murr-Kreis kritisierte Holzwarth, dass der Schienenersatzverkehr dort stark verbesserungsbedürftig sei. Probleme habe es vor allem bei der Information sowie bei der Umsetzung durch beauftragte Unternehmen und deren Personal gegeben. |
| Bündnis 90/Die Grünen | Michael Lateier bedauerte zunächst den bevorstehenden Wechsel von Dr. Matthias Glaub und würdigte dessen Arbeit. Gleichzeit bemängelt er die Qualität. „Eigentlich hätte im Bericht stehen müssen, dass die bestellte Leistung an 9,9 von 10 Tagen nicht gefahren werden konnte“, so Lateier. So könne die S-Bahn ihre Aufgabe als Rückgrat der Region nicht erfüllen. Besonders ärgerlich sei, dass sie selbst oft nichts für die Probleme könne. Er erinnerte zudem daran, dass in der Vergangenheit viel Vertrauen verspielt worden sei. Baustellen dauerten länger als angekündigt, zusätzliche Sperrungen kamen hinzu. Für Lateier war klar: „Der Gesamtkonzern hat in der Infrastruktur versagt.“ Die Bahn habe ihre Infrastruktur über Jahre „auf Verschleiß gefahren“, und die Folgen seien jetzt deutlich spürbar – und würden die Region noch länger begleiten. Auch für die kommenden Jahre zeigte er sich pessimistisch: 2026 werde es kaum besser, und auch 2027 sei keine grundlegende Entspannung zu erwarten. |
| Freie Wähler | Frank Buß sprach von einer anhaltenden „Durststrecke“ für den S-Bahn-Verkehr in der Region. „Sie dauert an – und es ist derzeit nicht absehbar, wann sie endet.“ Umso wichtiger sei es, im Sinne der Fahrgäste Wege zu finden, dieses Dilemma zumindest abzumildern. Ziel müsse sein, dass sich die Situation nicht weiter zuspitze: „Wir müssen versuchen, aus der Katastrophe zumindest eine Katastrophe light zu machen.“ Buß stellte auch grundsätzliche Fragen zur Entwicklung der Infrastruktur. Wenn diese 1994 noch in einem guten Zustand gewesen sei, müsse man sich fragen, „was seitdem eigentlich schiefgelaufen ist“. Gleichzeitig erinnerte Buß daran, dass rund 70 Prozent der Ausfälle nicht von der S-Bahn selbst verursacht würden. Als möglichen Ansatz zur Entlastung der Infrastruktur brachte er außerdem eine Diskussion über Anpassungen im Betrieb ins Spiel – etwa die Überlegung, den bisherigen 15-Minuten-Takt zeitweise auf einen 20-Minuten-Takt umzustellen. |
| AFD | Uwe Mardas bezeichnete das Jahr 2025 als schwierig – auch aus persönlicher Sicht als regelmäßiger S-Bahn-Fahrer. Der Betrieb sei oft unzuverlässig gewesen und für viele Fahrgäste schwierig. Gleichzeitig erkannte er an, dass die S-Bahn zahlreiche Maßnahmen ergriffen habe und bemüht sei, Verbesserungen umzusetzen. Sein persönlicher Eindruck sei, „dass es langsam besser wird“. Mardas ermutigte die Verantwortlichen, diesen Weg weiterzugehen und das Erwartungsmanagement gegenüber den Fahrgästen weiter zu verbessern. Es gehe darum, Vertrauen und Treue der Kundinnen und Kunden zurückzugewinnen. Verbesserungsbedarf sehe er insbesondere bei der Baustellenkoordination und der Kommunikation über elektronische Medien. |
| SPD | „Auf einer guten Strecke kann jeder problemlos fahren – auf einer schlechten passiert genau das, was derzeit im S-Bahn-System zu beobachten ist“, so Michael Makurath. Die zentrale Frage laute daher: „Wann wird die Strecke endlich wieder gut?“ Positiv bewertete Makurath, dass es trotz der schwierigen Lage gelungen sei, die Zahl der Fahrgäste zu steigern. Den Gedanken, das Angebot stärker an die Qualität der Infrastruktur anzupassen, sehe er jedoch kritisch. „Es kann nicht sein, dass am Ende gar nichts mehr fährt, nur weil die Strecke schlecht ist.“ Wichtigster Anspruch müsse bleiben, eine Infrastruktur zu schaffen, auf der ein stabiler 15-Minuten-Takt möglich sei. |
| FDP | „Das Murmeltier grüßt täglich – aber diesmal hat es immerhin etwas positivere Grüße im Gepäck als noch im letzten Jahr“, so Gabriele Heise. Es sei seit Langem bekannt, dass in Deutschland viel zu wenig in die Infrastruktur investiert worden sei. Die Folgen zeigten sich nun deutlich. Gleichzeitig erkenne sie erste Anzeichen dafür, dass sich die Situation langsam verbessere. Diese Entwicklung gehe jedoch zwangsläufig mit Baustellen einher. „Wir brauchen diese Baustellen – aber wir brauchen auch ein gutes Management.“ Heise äußerte die Hoffnung, dass im kommenden Jahr noch mehr positive Entwicklungen sichtbar würden. |
| Linke. SÖS. PIRAT | Andrea Schmidt hob die Bedeutung der S-Bahn als zentralen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs hervor. Sie sei eine wichtige Alternative zum Auto – gerade mit Blick auf die Klimakrise müsse der Autoverkehr reduziert werden. Umso bemerkenswerter sei es, dass die Fahrgastzahlen trotz der aktuellen Schwierigkeiten weiter stiegen. Sie wünsche sich eine klare Zusage, dass die Stammstreckensperrung 2026 tatsächlich die letzte sein werde und äußerte Kritik an der Kommunikation: „Die funktioniert nach wie vor nicht zufriedenstellend.“ Ein bloßes „Ab jetzt wird alles besser“ reiche nicht aus. |
Hier geht es zum Jahresbericht von Verband Region Stuttgart und S-Bahn Stuttgart