Der Verband Region Stuttgart (VRS) treibt den barrierefreien Ausbau der S-Bahn-Stationen weiter voran. Der Verkehrsausschuss hat in seiner Sitzung vom Mittwoch weitere Planungs- und Realisierungsschritte für den stufenlosen Einstieg in die S-Bahnfahrzeuge beschlossen. Von 28 noch umzubauenden Stationen befinden sich 19 bereits in Planung. Als nächstes Planungsbündel sollen die vier S2-Stationen Beutelsbach, Winterbach, Geradstetten und Weiler (Rems) folgen. Die Bahnsteige sollen auf eine Höhe von 96 Zentimetern über Schienenoberkante gebracht werden. Damit soll ein stufenloser Einstieg in die S-Bahn-Fahrzeuge ermöglicht werden. Bei den S2-Stationen hat die Prüfung ergeben, dass eine Aufhöhung über die gesamte Bahnsteiglänge trotz der dortigen Verkehre mit Lademaßüberschreitungen möglich ist und die Ladung somit nicht mit den aufgehöhten Bahnsteigen kollidieren wird. Für die Planungsphasen 1 bis 4 sind im Haushaltsentwurf 2027 rund 3 Millionen Euro berücksichtigt.
Konkrete Ausbauperspektiven bis 2029
Für mehrere weitere Stationen liegen konkrete Umsetzungsperspektiven vor. In Maubach ist der Ausbau für 2027 vorgesehen. Kornwestheim, Zuffenhausen und Leonberg sollen 2028 folgen. Oberesslingen und Esslingen-Zell sollen für eine Umsetzung im Jahr 2029 vorbereitet werden. Für Stuttgart-Obertürkheim will die Region bei DB InfraGO ebenfalls auf eine Umsetzung 2029 hinwirken.
In Altbach sollen erste Maßnahmen 2028 beginnen. Da die verfügbaren Sperrpausen nicht ausreichen, um alle Arbeiten gebündelt umzusetzen, ist dort ein mehrjähriger Ausbau vorgesehen. Zunächst sollen unter anderem das Bahnsteigdach erneuert, ein Aufzug am Bahnsteig gebaut sowie Tiefbau- und Entwässerungsarbeiten vorbereitet werden. Weitere Arbeiten, darunter die Bahnsteigerhöhung, benötigen zusätzliche Sperrpausen.
Für die geplanten Vertragsabschlüsse zu Oberesslingen, Esslingen-Zell, Obertürkheim und Altbach sind im Haushaltsentwurf 2027 insgesamt 11 Millionen Euro für den noch offenen Eigenanteil der Region sowie 14,3 Millionen Euro für mögliche Vorfinanzierungen berücksichtigt.
Barrierefreiheit umfassend verbessern
Bei der Barrierefreiheit der S-Bahn-Stationen ist bereits viel erreicht: An den 83 von der S-Bahn mitgenutzten Stationen sind die Bahnsteige zu 94 Prozent stufenfrei zugänglich. An den ausschließlich von der S-Bahn bedienten Bahnsteigen ist die stufenlose Erreichbarkeit bereits vollständig gewährleistet.
Fahrgastinformation und Lautsprecher beziehungsweise Akustikmodule sind flächendeckend vorhanden. Nachholbedarf besteht insbesondere bei Angeboten für sehbehinderte und blinde Menschen: Nur 41 Prozent verfügen über ein taktiles Leitsystem auf dem Bahnsteig, taktile Handlaufschilder sind an 70 Prozent der Stationen vorhanden. Fehlende Elemente sollen bei den anstehenden Bahnsteigumbauten mitberücksichtigt werden. Einzig die kleine Teckbahn erfüllt auch aufgrund des finanziellen Engagements des VRS alle Anforderungen an die Barrierefreiheit.
STIMMEN DER FRAKTIONEN
| CDU/ÖDP | „Die Barrierefreiheit ist ein zentrales Fundament für eine zukunftsfähige Ausgestaltung des S-Bahn-Netzes“, sagt Hartmut Holzwarth. „Wir wollen sicherstellen, dass die Menschen barrierefrei an den Bahnsteig kommen, auch wenn ein Aufzug ausfällt.“ Entsprechend spiele ein zweiter, alternativer barrierefreier Weg zum Bahnsteig eine wichtige Rolle. |
| BÜNDNIS90/ DIE GRÜNEN | „Insgesamt sehen wir den Bericht sehr positiv. Dass das taktile Leitsystem so schlecht ausgebaut ist, finden wir jedoch erschreckend“, so Hanna Gutknecht. Dass alle Bahnsteige stufenlos zugänglich sind, sei erfreulich, allerdings fallen Aufzüge oft aus. „Das hält viele mobilitätseingeschränkte Menschen vom Fahren mit dem ÖPNV ab.“ |
| FREIE WÄHLER | „Wir kommen voran, aber es ist ausgesprochen zäh“, so Frank Buß. Aber man habe das gemeinsame Ziel, das man gemeinsam weiterverfolgen müsse. „Gerade weil es so langsam läuft, sollten wir aber prüfen, ob das Geld, das in den Haushalt eingestellt wird, auch abfließt.“ |
| AFD | „Wir tragen das Vorgehen der Region sehr gerne mit. Die Leitlinien passen“, so Uwe Mardas. „Wir haben noch sehr viel vor uns, sind aber auf einem sehr guten Weg.“ |
| SPD | „Das Bild, das in der Vorlage gezeichnet wird, ist in der Realität leider nicht so gut“, sagt Michael Makurath. Man müsse bedenken, dass die Zeitläufe für die Betroffenen, die eine S-Bahn-Station nicht erreichen können, sehr lang seien. |
| FDP | „Es hat mich erstaunt, dass das taktile Leitsystem noch so wenig ausgebaut ist“, sagt Gabriele Heise. „Wir tragen das Vorgehen mit – es bleibt ein wichtiges Thema, gerade in einer alternden Gesellschaft.“ |